Umbau eines Schwertgriffes

Vorgeschichte

 

Bei einem Schaukampfschwert mit vernietetem Knauf (Abb.1, links) hat sich nach einigem Gebrauch die Griffstange gelockert. Weil zu befürchten war, dass ein einfaches Nachnieten die Griffstange wieder nur eine gewisse Zeit fixiert hätte, wurde der ganze Griff erneuert. Zusätzlich zur Verbesserung der Haltbarkeit sollte der Griff mit Griffstange gefälliger und authentischer wirken. Dies ist, zumindest aus meiner Sicht, gelungen (Abb.1, rechts).

 

Der Umbau

 

Als Vorbereitung zum eigentlichen Umbau wurde das Schwert auseinander genommen. Dazu wurde der aus dem Knauf herausragende Nietkopf der Griffangel abgeschliffen. Danach konnte das Schwert in alle Einzelteile zerlegt werden (Abb.2).

 

Dabei wurde klar, warum sich der Griff gelockert hatte : Die Griffhülse bestand aus einem mit Kunststoff umschäumten Weichholzkern, die Griffstange aus einem eher weichen, nichtmagnetischen Gussteil (vermutlich Zinkdruckguss) und zwischen Klingenschulter und Griffstange befand sich eine lederne Scheibe. Bei so viel Nachgiebigkeit kann ein fester Sitz auf Dauer nicht erreicht werden. Die Entscheidung zur kompletten Erneuerung war richtig.

 

Vor dem eigentlichen Umbau des Griffes musste noch der Übergang von der Klinge zur Griffstange geändert werden, denn dieser war seltsam geformt, um auf einfache und billige Art eine wenigstens vorläufige Passgenauigkeit zu geben. Dieser Übergang von Klinge zur Griffangel sollte aber in einem möglichst grossen Radius verlaufen, um die Bruchgefahr durch Kerbwirkung zu reduzieren. Also wurde diese Stelle sorgfältig nachgefeilt.

 

Neue Griffstange

 

Die neue Griffstange (Abb.3 – Abb.5) wurde aus einem Stück normalem Flachstahl (ST37) in die gewünschte Form gesägt, gefeilt und geschliffen. Etwas aufwändig war das rechteckige Loch für die Angel. Entlang der Aussenkontur wurden viele kleine Löcher gebohrt und das Innenstück schliesslich mit einem Meissel heraus geschlagen. Die Löcher wurden in einem kleinen Abstand zur Lochkontur gebohrt, damit sie nach dem anschliessenden Zurechtfeilen des Loches keine Spuren hinterliessen.

 

Die Idee war zuerst, die neue Griffstange auf die Angel aufzuschrumpfen. Dazu wurde das Loch in der Griffstange etwas kleiner als die Angel gehalten, die Griffstange dunkelrot glühend erhitzt, auf die Angel geschoben, in Position gebracht und sofort in kaltem Wasser abgeschreckt. Durch das Erhitzen dehnte sich die Griffstange und damit das Loch aus, durch das Abschrecken zog sich die Griffstange wieder zusammen und klammert sich so auf der Angel fest.

 

Die Griffstange löste sich jedoch noch während der weiteren Bearbeitung von der Angel. Damit war klar, dass der Druck des Griffes auf die Griffstange alleine für deren festen, dauerhaften Sitz verantwortlich sein würde.

 

Gewindestange einschweissen

 

Damit der Griff diesen festen Sitz erhält, wurde eine Verschraubung anstelle der Vernietung vorbereitet. Dies ist zwar absolut unauthentisch, bietet aber der den Vorteil, dass, der Griff einfach nachgezogen werden kann, sollte sich die Griffstange im Laufe der Zeit je wieder lockern.

 

Dazu wurde die Griffangel abgesägt und in das neu entstandene Ende ein Schlitz gesägt. Damit genügend Material stehen bleiben konnte, musste Schlitz etwas schmaler als die vorgesehene M8 Gewindestange gehalten werden.

 

Deshalb wurde die M8 Gewindestange so zurecht geschliffen und gefeilt, bis sie in den Schlitz passte. Es ist ausserdem einfacher, die Stange an den Schlitz anzupassen, als umgekehrt.

 

Vor dem Einschweissen der Gewindestange in die Angel musste noch die neue Griffstange aufgeschoben werden, weil die Gewindestange nicht durch das Loch für die Angel passte.

 

Dann wurde die Gewindestange in den Schlitz der Angel geschweisst und anschliessend die Schweissnaht sauber verschliffen (Abb.6).

 

Die Schweissnaht wurde nicht abgeschreckt, sondern durfte schonend abkühlen, um die Angel nicht zu hart werden zu lassen (Bruchgefahr!).

 

Neuer Knauf

 

Der neue Knauf wurde aus einem Stück Rundstahl (ST37) gedreht, unten abgeflacht und mit einem durchgehenden M8-Gewindeloch versehen, damit der Knauf direkt auf die Gewindestange aufgeschraubt werden konnte (Abb.7).

 

Alternativ wäre ein einfaches Durchgangsloch im Knauf möglich, welcher dann mit einer zusätzlichen M8 Vierkantmutter (Sechskant sähe schrecklich aus!) auf den Griff geschraubt würde. Allerdings verrät auch die Vierkantmutter den verschraubten Griff. Ein grosser Vorteil dieser Variante wäre jedoch, dass die Mutter in 90° -Schritten festgezogen werden kann, ohne optisch zu stören, während bei der gewählten Lösung der Knauf immer in 180°-Schritten festgezogen werden muss, auch wenn eine Zwischenstellung ausreichen würde. Ansonsten würde der Knauf von oben betrachtet schräg zur Klinge und Griffstange stehen.

 

Bei der gewählten Variante wurde das überstehende Gewindeende zu einem falschen Nietkopf geformt, was nur bei sehr genauer Betrachtung sichtbar ist und somit viel authentischer wirkt.

 

Griffhülse

 

Von einem U-Profil wurden zwei Stücke in der Länge des Griffs abgesägt und in der Breite passend zugesägt. Die beiden Profile wurden dann zu einer Griffhülse zusammengeschweisst (Abb.8). Um die Kippbelastung der Griffstange besser in die Griffhülse einleiten zu können, wurde die Griffhülse an den Schmalseiten mit der Griffstange verschweisst.

 

Diese wiederum höchst unauthentische Konstruktion wurde erforderlich, weil zwei Buchenholzgriffe beim Anziehen des Knaufes dem Druck nicht standhielten und zersplitterten.

 

Anschliessend wurden Holzreste an die eiserne Griffhülse geklebt und in die gewünschte Form gefeilt und geschliffen (Abb.9).

 

Zusammenbau und Wicklung

 

Der Knauf wurde einfach auf die Gewindestange geschraubt, bis er die Gewindehülse und die Griffstange stark klemmte und fluchtend zur Gewindestange ausgerichtet war (Abb.10).

Als letzter Arbeitsschritt wurde ein 8 mm breiter Lederstreifen um die Griffhülse gewickelt und mit Lederkleber angeklebt (Abb.11).

Abb. 1: Schwert vor und nach dem Umbau
Abb. 1: Schwert vor und nach dem Umbau
Abb. 2:  Zerlegt und vorbereitet für den Umbau
Abb. 2: Zerlegt und vorbereitet für den Umbau
Abb. 3:  Alte und neue Griffstange von unten...
Abb. 3: Alte und neue Griffstange von unten...
Abb. 4:  ...von oben...
Abb. 4: ...von oben...
Abb. 5:  ...und von der Seite
Abb. 5: ...und von der Seite
Abb. 6:  Eingeschweisste Gewindestange
Abb. 6: Eingeschweisste Gewindestange
Abb. 7:  Neuer Knauf
Abb. 7: Neuer Knauf
Abb. 8:  Griffhülse
Abb. 8: Griffhülse
Abb. 9:  Griffhülse mit Formklötzen aus Holz
Abb. 9: Griffhülse mit Formklötzen aus Holz
Abb. 10:  Zusammengebauter Griff
Abb. 10: Zusammengebauter Griff
Abb. 11:  Fertiger Griff
Abb. 11: Fertiger Griff