Striegel um AD 1200

Historische Vorlagen

 

Abbildung 1 aus der Mitte des 13. Jhd. zeigt einen Striegel, der im Gürtel eines Mannes steckt, (Abb.2 und 3) zeigen Funde aus dem London des 13. Jhd. [Alle Abbildungen: John Clark: „The Medieval Horse and its Equipment“].

 

Bemerkenswert sind die losen Ringe um die Schenkel des Griffes, deren Bedeutung bzw. Funktion unklar ist. Die Autorin bietet als eine von vielen möglichen Erklärungen an, dass sie während des Striegelns Töne von sich geben sollten, vielleicht um das Pferd zu beruhigen. Obwohl diese Erklärung sehr schwach ist, gibt es zur Zeit keine Bessere. Dennoch sind diese Ringe praktisch an allen Funden zu beobachten, die dafür gut genug erhalten sind.

 

 

 

 

Der Nachbau

 

Mein Striegel (Abb.4) basiert im Wesentlichen auf dem Fund Nr. 401 (Abb.2) , der zwischen 1250 und 1300 datiert wird. Abweichend vom Fund habe ich die Gabel spitzwinklig auseinander gespalten und die Griffangel verlängert und sie ohne Niet in das Heft eingelassen wie beim Striegel A605 (Abb.3). Die beiden Ringe entstanden aus Abfallstücken und weichen deshalb von der Form des Originals ab. Diese Abweichungen sind bei anderen Funden dokumentiert, so dass mein Striegel aus einem Gemisch von Originalvorlagen gelten darf. Ich fand es einfach reizvoller, ein wenig Kreativität in die Arbeit einfliessen zu lassen.

 

Arbeitsschritte

 

Die Abbildungen sind derart selbsterklärend, dass ich mich lediglich auf zusätzliche Informationen beschränke.

 

Das Blatt wurde aus einem 1.5mm dicken Blech gesägt und die Zähne mit einer Feile herausgearbeitet. Danach wurde das Blatt in Form gebogen (Abb.5).

 

Der eiserne Teil des Griffs wurde aus einer rechteckförmigen Stange gearbeitet. Die beiden Schenkel entstanden durch Spalten und Ausschmieden (Abb.6).

 

Die Angel wurde abgesetzt und ausgeschmiedet (Abb.7), die Schenkel abgebogen und flach geschmiedet (Abb.8 und 9).

 

Vor dem Vernieten der Schenkel mit dem Blatt wurden die Schenkel um die Blattenden gefaltet (Abb.11 und 12) . Die äusseren Nieten fixieren gleichzeitig die umgefalteten Enden (Abb.13).

 

Das Heft wurde aus Buche gedrechselt, vorgebohrt, am vorderen Ende mit einer feuerverschweissten Metallmanschette verstärkt und auf die erhitzte Angel aufgeschoben (Abb.14 und 15).

 

Als letzter Arbeitschritt wurde eine U-förmiger Metallbügel in das Heftende eingelassen (Abb.16), um ein Lederband daran knoten zu können, an dem der Striegel aufgehängt werden kann.

 

Abb. 1: 13. Jhd. Darstellung eines Striegels im Gürtel
Abb. 1: 13. Jhd. Darstellung eines Striegels im Gürtel
Abb. 2:  Striegelfund Nr. 401
Abb. 2: Striegelfund Nr. 401
Abb. 3:  Striegelfund Nr. A605
Abb. 3: Striegelfund Nr. A605
Abb. 4:  Mein Striegel
Abb. 4: Mein Striegel
Abb. 5:  Vorgebogenes Blatt mit gefeilten Zähnen
Abb. 5: Vorgebogenes Blatt mit gefeilten Zähnen
Abb. 6:  Griffstange mit ausgeschmiedeten Schenkeln
Abb. 6: Griffstange mit ausgeschmiedeten Schenkeln
Abb. 7:  Ausgeschmiedete Griffangel
Abb. 7: Ausgeschmiedete Griffangel
Abb. 8:  Abgebogene und ausgeschmiedete Schenkel
Abb. 8: Abgebogene und ausgeschmiedete Schenkel
Abb. 9:  Übergang quadratisch zu flach
Abb. 9: Übergang quadratisch zu flach
Abb. 10:  Angenietetes Blatt
Abb. 10: Angenietetes Blatt
Abb. 11:  Angenieteter Schenkel
Abb. 11: Angenieteter Schenkel
Abb. 12:  Umgefaltetes Schenkelende
Abb. 12: Umgefaltetes Schenkelende
Abb. 13:  Angenietetes Schenkelende
Abb. 13: Angenietetes Schenkelende
Abb. 14:  Aufgesetztes Heft und Ringe an den Schenkeln
Abb. 14: Aufgesetztes Heft und Ringe an den Schenkeln
Abb. 15:  Verstärkung des Hefts
Abb. 15: Verstärkung des Hefts
Abb. 16:  Öse am Heftende für Lederband
Abb. 16: Öse am Heftende für Lederband