Nachbau des Helms von Dargen um AD 1275

Historische Vorbilder

 

Die Beschreibung des Helmfundes von Dargen folgt später

 

Der Nachbau

 

Diese Baubeschreibung wird, dem Baufortschritt des Helmes entsprechend, fortlaufend ergänzt.

  

Der Topfhelm von Dargen besteht aus fünf Platten (Gesichts-, Stirn-, Nacken-, Hinterhaupt- und Scheitelplatte und einem Visierkreuz, das wiederum aus zwei Streifen besteht, die miteinander feuerverschweisst sind.

  

 

„Schnittmuster“

 

In seinem Artikel „Der Topfhelm von Dargen“  in „Kostüm und Waffenkunde“, Bd 21, Jg 1979, bildet Günter Quasigroch „eine massstabgerechte Rekonstruktion der Platten, gefertigt nach Abrollungen vom Original“ ab.

  

Aufgrund dieser Abbildung und einigen charakteristischen Massen aus demselben Artikel wurde der die Platten auf 1:1 vergrössert, auf 2 mm starken Karton übertragen und zu dem Helm zusammengesetzt. Das Ergebnis enttäuscht, das dadurch entstandene Gebilde weicht in wesentlichen Details von den Abbildungen des Originalhelms ab (in der Seitenansicht des Kartonhelms sind zur Veranschaulichung die Umrisslinien des Originalhelmes gelb eingezeichnet). Die einzelnen Platten passten teilweise nicht einmal zusammen.

  

Vergleicht man die öffentlich zugänglichen Abbildungen der Seitenansichten, stellt man fest, dass der Helm sehr asymmetrisch ist. Die rekonstruierten Platten sind hingegen praktisch symmetrisch. Schon dieser Umstand zeigt, dass die Abrollungen bzw. die darauf aufbauende Rekonstruktion nicht stimmen können. Leider ist Günter Quasigroch inzwischen verstorben, so dass Nachforschungen zu den originalen Abrollungen schwierig sind.

  

Stattdessen wurden, aufgrund der Bilder  und der Hauptmasse wie Gesamthöhe und untere Länge des Helms, die Platten neu rekonstruiert. Dazu wurden zuerst die verfügbaren linken und rechten Seitenansichten für sich harmonisiert und danach links und rechts aufeinander abgestimmt. Ungenauigkeiten aufgrund der perspektivischen Verzerrung beim Fotografieren eines mehr oder weniger zylindrischen Körpers, verursacht durch verschiedene Blickwinkel der Kamera, wurden dabei nach Gefühl korrigiert.

 

Dies betrifft vor allem den rechten Sehschlitz, der, im Vergleich zur linken Seite, bei einer Abbildung zu tief, bei einer anderen Abbildung leicht zu hoch verläuft. Da der Sehschlitz der Unterkante der Stirnplatte folgt, wurde die Linie der linken Seite auch für die rechte Seite übernommen.

 

Die Visierspange fehlt auf der linken Seite zum grössten Teil und wurde so ergänzt, dass sie dem rechten Teil entspricht. Wegen der deutlich ungleich langen Platten auf der linken Seite wurde die Visierspange dabei so verlängert, dass sie ungefähr die gleiche Überdeckung über die Hinterhaupt- und Nackenplatte ergibt wie auf der rechten Seite. Der Sehschlitz wurde jedoch gleich lang ausgeführt wie auf der rechten Seite.

 

Nach den Seitenansichten wurde die Rückansicht im Schnitt an einer gedachten Referenzlinie rekonstruiert.

  

Neben den bisher beschriebenen Interpretationen und Ergänzungen der Seitenansichten wurde in dieser Rückansicht die Breite des Helms an die Masse des neuen Besitzers (in Rüstung) angepasst.

  

Aufgrund all dieser Abweichungen und Unsicherheiten sprechen wir bei dem vorliegenden Helm im Weiteren nicht von einem Replikat, sondern von einem „möglichst nahe auf dem Original basierenden“ Nachbau.

  

Die Rück- und den Seitenansichten wurden auf 4 mm dickes Sperrholz übertragen, die Einzelteile ausgesägt und zu einem Gerüst zusammengeleimt. Dieses Gerüst wurde anschliessend auf 2 mm dickem Karton abgerollt und die Kontaktlinien markiert. Danach wurden die Kartonteile mit Übermass ausgeschnitten, einzeln mit Gummibändern am Gerüst fixiert und auf das exakte Mass nachgeschnitten. Die Vertikalen Kanten der vier Hauptplatten wurden von den Seitenansichten übertragen.

  

Die Kartonteile werden mit den Nietlöchern versehen und anschliessend mit Musterklammern zusammengesetzt.  

Nach der Anprobe (Polster- und Ringpanzerhaube nicht vergessen!), wird er zerlegt und die Einzelteile werden als Schablone für das Anzeichnen auf dem Eisenblech verwendet. Die Scheitelplatte und die Visierspange werden später am Helm modelliert und müssen bzw. können daher noch nicht mit einer passgenauen Schablone ermittelt werden.

 

Nun werden die einzelnen Platten aus 2 mm Stahlblech ausgesägt. Danach werden zuerst die Stirn- und Hinterhauptplatten gebogen und am Sperrholzgerüst angepasst. Die Stirnplatte erhält zusätzlich den markanten Mittelgrat, indem er von der Rückseite mit einem stumpfen Meissel vorsichtig und in mehreren Durchgängen der Mittellinie entlang eingeschlagen wird. Anschliessend werden die beiden Platten gebohrt und miteinander verschraubt.

 

Um die Scheitelplatte der so entstandenen Kalotte anpassen zu können, wird eine 3 mm starke Platte am oberen Rand punktuell eingeschweisst. Dadurch erhält die Kalotte die erforderliche Stärke, um als Formklotz für das Umbördeln der Scheitelplatte zu dienen

 

Anschliessend werden die Gesichts- und Nackenplatte gebogen und am Sperrholzgerüst angepasst, wobei die Gesichtsplatte ebenfalls den markanten Mittelgrat erhält sowie die seitlichen Nietlöcher.

 

Auf der Hinterhauptplatte wird die Kante der Nackenplatte eingezeichnet, dann werden die Nackenplatte und die Hinterhauptplatte an ihrer Verbindungsstelle, dem Winkel der Seitenansichten entsprechend, leicht umgebördelt. Die oberen Nietlöcher in der Nackenplatte werden nach Schablone gebohrt. Nun wird die Nackenplatte an die Hinterhauptplatte angeschraubt. Dazu wird das mittlere Nietloch an der Hinterhauptplatte genau angezeichnet und gebohrt. Dann wird diese Stelle verschraubt. Die Nackenplatte wird zur Hinterhauptplatte ausgerichtet, so dass die Überdeckung korrekt verläuft. Dann werden Loch um Loch durch die Nackenplatte in die Hinterhauptplatte gebohrt und sofort verschraubt. So zieht sich die Nackenplatte Stück um Stück an die Hinterhauptplatte.

 

Dann wird die Kalotte mit angeschraubter Nackenplatte provisorisch zur Gesichtsplatte fixiert. Damit der Sehschlitz eine gleichmässige  Breite erhält, werden 8 mm dicke Stäbe zwischen Stirn- und Gesichtsplatte geklemmt. Dann werden die untersten beiden Nietlöcher durch die Gesichtsplatte in die Nackenplatte gebohrt und verschraubt. Danach folgen die restlichen seitlichen Nietlöcher auf die gleiche Weise.

 

Um die Unterkanten des Helmes korrigieren und die Löcher in die Gesichtsplatte bohren zu können, werden diese beiden Platten vom Helm gelöst und anschliessend wieder angeschraubt. Also, ich finde, dass der Helm auch schon ohne Visierspange gut aussieht. 


Trotzdem geht es natürlich weiter: Die Visierspange wird zunächst grob und dann fein an die Stirn- und Gesichtsplatte angepasst. Wegen der grossen Umformung im Zentrum wird bei diesem Arbeitsschritt die Visierspange glühend bearbeitet.


Erst, wenn die Visierspange wie angegossen sitzt, werden die Löcher in die Visierspange gebohrt und anschliessend auf die Stirn- und Gesichtsplatte übertragen und auch dort durchgebohrt.


Die Visierspange wird an den Helm geschraubt und erst jetzt werden die Sehschlitze mit der Flex grob herausgeschnitten und mit einer Feile auf Mass gebracht.


Wenn alles passt, wird der Helm zerlegt, alle Kanten und Löcher entgratet und alle Teile geschliffen.


Danach wird der Helm wieder vollständig zusammengeschraubt. Erst dann werden die Gesichts- und Nackenplatte wieder abgeschraubt, um die Kalotte und die Visierspange für das nachfolgende Vernieten Zugang zu den inneren Nietköpfen zu gewähren. Dabei wird immer nur eine Schraube durch eine Niet ersetzt, bevor sich der Vorgang wiederholt.


Zuletzt werden die Nackenplatte und die Gesichtsplatte wieder angeschraubt und auf die gleiche Weise an die Kalotte und an die Visierspange angenietet.


Fertig!


(Fast, denn das Futter und vor allem die Helmberiemung fehlen noch.) 

Abb. 1: Der Originalhelm
Abb. 1: Der Originalhelm
Abb. 2:  Die Bestandteile des Helms
Abb. 2: Die Bestandteile des Helms
Abb. 3:  Schnittmuster von G. Quasigroch
Abb. 3: Schnittmuster von G. Quasigroch
Abb. 4: Kartonteile
Abb. 4: Kartonteile
Abb. 5: Ungenaue Nietlöcher
Abb. 5: Ungenaue Nietlöcher
Abb. 6: Zusammensetzen des Helmes ...
Abb. 6: Zusammensetzen des Helmes ...
Abb. 7: ... mit Musterklammern
Abb. 7: ... mit Musterklammern
Abb. 8: Die Kalotte ...
Abb. 8: Die Kalotte ...
Abb. 9: ... mit Stirnplatte
Abb. 9: ... mit Stirnplatte
Abb. 10: Kartonhelm von links ...
Abb. 10: Kartonhelm von links ...
Abb. 11: … von vorne ...
Abb. 11: … von vorne ...
Abb. 12: ... und von unten
Abb. 12: ... und von unten
Abb. 13: Neuanfang
Abb. 13: Neuanfang
Abb. 14: Das Sperrholzgerüst
Abb. 14: Das Sperrholzgerüst
Abb. 15: Das Sperrholzgerüst
Abb. 15: Das Sperrholzgerüst
Abb. 16: Schablonen für die Plattenkanten
Abb. 16: Schablonen für die Plattenkanten
Abb. 17: Neues Ober- und Unterteil
Abb. 17: Neues Ober- und Unterteil
Abb. 18: Ausgesägte Platten
Abb. 18: Ausgesägte Platten
Abb. 19: Anprobe der verschraubten Kalotte an das Sperrholzgerüst
Abb. 19: Anprobe der verschraubten Kalotte an das Sperrholzgerüst
Abb. 20: Kalotte mit roh umbördelter Scheitelplatte
Abb. 20: Kalotte mit roh umbördelter Scheitelplatte
Abb. 21: Verschraubte Platten
Abb. 21: Verschraubte Platten
Abb. 22: Seitenansicht von links
Abb. 22: Seitenansicht von links
Abb. 23: Detailansicht von links
Abb. 23: Detailansicht von links
Abb. 24: Ansicht von vorne
Abb. 24: Ansicht von vorne
Abb. 25: Ansicht von vorne mit Löchern
Abb. 25: Ansicht von vorne mit Löchern
Abb. 26: Seitenansicht mit korrigierter Unterkante
Abb. 26: Seitenansicht mit korrigierter Unterkante
Abb. 27: Abgekantete Visierspange
Abb. 27: Abgekantete Visierspange
Abb. 28: Grob geformte Visierspange von vorne
Abb. 28: Grob geformte Visierspange von vorne
Abb. 29: Grob geformte Visierspange von links
Abb. 29: Grob geformte Visierspange von links
Abb. 30: Visierspange angeformt und mit Sehschlitzen
Abb. 30: Visierspange angeformt und mit Sehschlitzen
Abb. 31: Fertig vernieteter Helm von vorne
Abb. 31: Fertig vernieteter Helm von vorne
Abb. 31: Fertig vernieteter Helm von links
Abb. 31: Fertig vernieteter Helm von links