Madeln - Helm AD 1275 - 1300

Das Original: Der ältere Helm von Madeln

 

Der Helm (Abb.1) wurde 1940 in der Ruine der Burg Madeln bei Pratteln gefunden, die 1356 bei einem Erdbeben zerstört und anschliessend aufgegeben wurde. Er ist einer von insgesamt 16 – mehr oder weniger gut – erhaltenen Topfhelme und wird auf das letzte Viertel des 13. Jhd. datiert.

 

Im Museum Basel kann das restaurierte Original besichtigt werden, auf der homepage von Archäologie Baselland sind Abbildungen des restaurierten Helmes und eine Abrollung der einzelnen Platten von R. Windler zu sehen.

 

Der Helm ist in vielen Schriften gut dokumentiert, wobei Jonathan Frey in seinem Artikel „Neue Erkenntnisse zum älteren Topfhelm von Madeln“ in Mittelalter, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins (12. Jahrgang – 2007/4) die neuesten Erkenntnisse berücksichtigt. Jonathan Frey bin ich zu ganz besonderem Dank verpflichtet für das persönliche Gespräch, bei dem ich seinen Nachbau des Helms studieren konnte und von ihm wertvolle Hintergrundinformationen, Tipps und Anregungen bekam.

Es würde den Rahmen eines Werkstattberichtes sprengen, alle diese Informationen wiederzugeben, geschweige denn zu kommentieren oder zu diskutieren. Dies bleibt einem separaten Artikel vorbehalten.

 

 

 

Der Nachbau

 

Der Nachbau (Abb.2) basiert im Wesentlichen auf der oben erwähnten Abrollung der einzelnen Platten. Leider wurden jedoch grosse Teile des Helmes zerstört und die fehlenden Partien des Helmes mussten bei der Rekonstruktion ergänzt werden, sie sind in der Abrollung gestrichelt gezeichnet. Diese Ergänzungen sind naturgemäss nicht belegbar und könnten auch anders ausgesehen haben. Beim Nachbau folgt deshalb die rechte Seitenkante der Gesichtsplatte der erhaltenen Kante und die Nackenplatte wurde symmetrisch ausgeführt. Die vier Löcher in der Scheitelplatte könnten im Verlauf des Gebrauchs später angebracht worden sein und wurden vorerst weggelassen.

 

Der Nachbau wurde aus 2mm starken Eisenplatten gefertigt, die miteinander vernietet sind. An den Seiten der Kalotte wurden die fünf Eisenbändchen für die Helmzierbefestigung an die Hinterhauptplatte genietet.

 

Das eingenietete Helmfutter besteht aus einem einstellbaren Lederinlet, ähnlich dem heutiger Helme.

 

Die ledernen Helmschnüre sind an zwei rechteckigen Löchern in der Gesichtsplatte befestigt, von denen eines im rekonstruierten Bereich liegt und deshalb nicht belegbar ist. Diese Art der Helmschnurbefestigung ist also lediglich eine Interpretation, die Helmschnüre könnten auch am Helmfutter befestigt gewesen sein.

 

Arbeitsschritte

 

Viele Arbeitsschritte sind so selbsterklärend, dass sich die Beschreibung auf zusätzliche Hinweise beschränkt, die auf den Bildern nicht ersichtlich sind.

 

Als erstes wurde die Abrollung der einzelnen Platten auf Karton übertragen und daraus ein Modell des Helmes (Abb.3) erstellt. Dabei zeigte sich eine kleine Ungenauigkeit der Abrollung in dem Bereich, in dem sich Hinterhaupt, Stirn- und Scheitelplatte auf der linken Seite treffen.

 

Nach einer Anprobe mit Polsterhaube und Ringelpanzerhaube bzw. Hirnhaube wurden die Helmteile gemäss der Abrollung, ungeachtet der erwähnten Ungenauigkeit, auf 2mm Blech übertragen und ausgesägt (Abb.4). Erstens bestand eine Unsicherheit, ob die Abrollung nicht doch stimmen könnte und sich die Ungenauigkeit aus der zweidimensionalen Darstellung der räumlich verformten Platten ergeben hatte. Und zweitens war die Korrektur der Passungenauigkeit durch Nacharbeit der Platten während der Bauphase immer noch möglich.

 

Ausser der Scheitelplatte wurden alle Platten grob gerundet, die Stirn- und Gesichtsplatte erhielten ihre markanten, mittigen Biegekanten (Abb.5). Die Nietlöcher wurden gebohrt, wobei die jeweils überdeckende Platte als Bohrschablone für die überdeckte Platte diente. Die vier Löcher in der Scheitelplatte wurden weggelassen, weil eine seitliche Helmzier geplant ist. Sollten die Löcher jedoch doch noch erforderlich werden, können sie jederzeit leicht gebohrt werden. Die so genannten „Atemlöcher“ in der Gesichtsplatte wurden gebohrt und entgratet.

 

Die Platten wurden schrittweise in ihre endgültige Form angepasst, wobei sie zwischendurch immer wieder mit Schrauben zusammengesetzt wurden (Abb.6 und 7). Besonders schwierig war die Umformung der Laschen der Hinterhaupt- und Stirnplatte, an die die Scheitelplatte angenietet wird (Abb.8). Hier und an anderen kniffligen Stellen wurde das Metall mit einem Gasbrenner erhitzt und glühend verarbeitet.

 

Zusätzlich zu der Anforderung der originalgetreuen Nachbildung sollte der Helm über einer bereits bestehenden Hirnhaube getragen werden können. Das Kartonmodell war hier wenig hilfreich, weil es sich viel zu leicht seitlich deformieren liess. Kritisch sind dabei  vor allem die Sehschlitze, die ihre Breite und Passgenauigkeit sehr stark durch das Plattdrücken bzw. seitliche Aufweiten des Helmes verändern. Deshalb wurde die Breite der Kalotte, die aus der Scheitel- Hinterhaupt- und Stirnplatte gebildet wird, während der Bearbeitung an die Hirnhaube angepasst. Die Nacken- und Gesichtsplatte wurden danach an die Kalotte angepasst, wobei die Sehschlitze - wegen der oben beschriebenen Eigenheit - besondere Aufmerksamkeit erforderten.

 

Die rechteckigen und der kreuzförmige Durchbruch in der Gesichtsplatte wurden erst jetzt herausgearbeitet, damit sie nicht durch die Anpassarbeiten beschädigt werden bzw. die Bearbeitung erschweren. Sie wurden vorgebohrt und anschliessend in Form gefeilt.

 

Die Bändchen wurden nach der Vorlage von Jonathan Frey angefertigt. Die Enden, die später von der Stirnplatte verdeckt werden, wurden bereits auf die Hinterhauptplatte genietet bzw. bei dem Bändchen, das nur am frei zugänglichen Ende angenietet war, mit einem Schweissgerät angeheftet. Die frei zugänglichen Enden wurden angeschraubt (Abb.9). Die Bändchen wurden im glühenden Zustand mit einem Eisenstab fluchtend ausgerichtet. Danach wurden die Kanten der Stirnplatte im glühenden Zustand an die Bändchen angepasst.

 

Das Helmfutter wurde aus vegetabil gegerbtem Leder gemäss der Abrollung geschnitten und die Löcher für die Befestigungsnieten ausgestanzt. Die viereckigen Unterlagscheiben wurden aus 1.5mm starkem Blech ausgeschnitten, gebohrt, die Kanten und Ecken geschliffen und gefeilt. Das Helmfutter wurde mit Schrauben und Unterlagscheiben zur Anprobe in den Helm befestigt.

 

Nach der Anprobe wurde der Helm zerlegt und die Einzelteile geschliffen und entgratet. Für den endgültigen Zusammenbau wurde, wegen der besseren Zugänglichkeit der oberen Nieten, vorerst nur die Kalotte wieder zusammengeschraubt. Die Schrauben wurden, eine nach der anderen, durch Nieten ersetzt. Die Kalotte wurde innen mit Zinkgrund und mattschwarzer Farbe beschichtet.

 

Das Helmfutter wurde mit den viereckigen Unterlagscheiben in die Kalotte eingenietet (Abb.19 und 20).

 

Die asymmetrische Nackenplatte wurde kurz vor der Fertigstellung des Helmes durch eine symmetrische Platte ersetzt. Die Form des Helmes wird dadurch gefälliger und die rekonstruierte Linie der Abrollung könnte bei Bedarf jederzeit durch Nacharbeit hergestellt werden.

 

Die Nacken- und Gesichtsplatte wurden angeschraubt und eine Schraube nach der anderen durch Nieten ersetzt. Damit die mittige Nietstelle zwischen der Stirn- und Gesichtsplatte für die Vernietung zugänglich blieb, ist das Helmfutter an dieser Stelle offen. Die Nacken- und Gesichtsplatte wurde innen mit Zinkgrund und mattschwarzer Farbe beschichtet.

 

Aus vegetabil gegerbtem Rindsleder wurden zwei sich verjüngende Lederstreifen geschnitten. Sie werden einfach in die rechteckigen Löcher der Gesichtsplatte gesteckt und verklemmen sich durch das Umfalzen sehr gut in ihnen.

 

Abb. 1: Der Originalhelm im restaurierten Zustand
Abb. 1: Der Originalhelm im restaurierten Zustand
Abb. 2:  Der Nachbau
Abb. 2: Der Nachbau
Abb. 3:  Kartonmodell
Abb. 3: Kartonmodell
Abb. 4:  Kartonschablonen und ausgesägte Blechteile
Abb. 4: Kartonschablonen und ausgesägte Blechteile
Abb. 5:  Gebohrte und grob gerundete Blechteile
Abb. 5: Gebohrte und grob gerundete Blechteile
Abb. 6:  Kalotte beim ersten Zusammenbau
Abb. 6: Kalotte beim ersten Zusammenbau
Abb. 7:  Anpassen der Einzelteile
Abb. 7: Anpassen der Einzelteile
Abb. 8:  Kalotte mit verschraubter Scheitelplatte
Abb. 8: Kalotte mit verschraubter Scheitelplatte
Abb. 9:  Bändchen links
Abb. 9: Bändchen links
Abb. 10:  Helm von rechts, unteres Bändchen fehlt noch
Abb. 10: Helm von rechts, unteres Bändchen fehlt noch
Abb. 11:  Helm von links
Abb. 11: Helm von links
Abb. 12:  Ansicht leicht geneigt
Abb. 12: Ansicht leicht geneigt
Abb. 13:  Sieht schon ganz gut aus
Abb. 13: Sieht schon ganz gut aus
Abb. 14:  Fertig zum Vernieten
Abb. 14: Fertig zum Vernieten
Abb. 15:  Vernieteter Helm von rechts
Abb. 15: Vernieteter Helm von rechts
Abb. 16:  Bändchen rechts
Abb. 16: Bändchen rechts
Abb. 17:  Ansicht von links
Abb. 17: Ansicht von links
Abb. 18:  Bändchen links
Abb. 18: Bändchen links
Abb. 19:  Eingenietetes Helmfutter und Helmschnur
Abb. 19: Eingenietetes Helmfutter und Helmschnur
Abb. 20:  Viereckige Unterlagscheiben
Abb. 20: Viereckige Unterlagscheiben
Abb. 21:  Fertig
Abb. 21: Fertig