Schwertscheide um AD 1250

Historische Vorlage

 

Fernando de la Cerda war ein Sohn von
Alphonso X von Kastilien. Sein Schwert und die dazu gehörende Schwertscheide (Abb.1) befindet sich im Kloster Huezas in Burgos und wird auf ungefähr AD 1270 datiert. Der Schwertgriff ist mit roter und gelber Seide umwickelt, der Knauf ist aus Bronze und die Griffstange ist aus Eisen. Leider sind beide Gurtteile unmittelbar nach der Gurtbefestigung abgeschnitten. Die verbliebene Gurtbefestigung ist aus Büffelhaut. Der Vorderteil der Gurtbefestigung ist leicht nach oben gewölbt und weist an dieser Stelle meiner Einschätzung nach eine Dicke von ungefähr 3mm auf.

 

Der Nachbau

 

Beim Bau der Schwertscheide (Abb.2)  habe ich mich für einen Holzkern ohne Felleinlage entschieden. Die Originalscheide ist im Verhältnis zur Grifflänge und –breite derart schmal, dass eine Felleinlage meiner Meinung nach keinen Platz hat.

 

Den Holzkern habe ich mit vegetabil gegerbten Ziegenleder überzogen, die Gürtung besteht aus vegetabil gegerbtem Rindsleder.

 

Der hintere Gurtteil, der die Scheide unten umfasst, entspricht in der Breite dem vorderen Gurtteil und ist deshalb viel schmaler ausgeführt als bei der Originalscheide und vermutlich auch anders vernäht.

 

Der Gurtverschluss ist leider verloren gegangen. Ich habe mich für einen historisch gut dokumentierten Verschluss mit zwei Lederbändern entschieden, die dem hinteren Gurt entspringen, durch zwei Löcher im vorderen Gurt geführt und verknotet werden

 

Leider ist die Gürtung nur von vorne zu sehen, die Führung der Lederstreifen ist deshalb eine Interpretation aufgrund von einigen fehlgeschlagenen Versuchen und der letztendlich erfolgreichen Variante.

 

Die folgende Beschreibung ist deshalb nur eine von vielen Möglichkeiten, wie eine solche Scheide hergestellt werden kann. 

 

Arbeiten mit Leder und Holz und den entsprechenden Werkzeugen bergen hohe Verletzungsgefahren in sich. Gebotene Vorsicht, geeignete Schutzmassnahmen und -ausrüstung setze ich als selbstverständlich voraus, so dass ich in dieser Beschreibung nicht weiter darauf eingehe.

 

Ebenso gehe ich davon aus, dass etwas handwerkliches Geschick und Erfahrung vorhanden ist, so dass ich aus Platzgründen auf die Erklärung der Grundtechniken wie Sägen, Schleifen, Hobeln  und Sattlerstich verzichte.

(Anmerkung: Die Abbildungen wurden während dem Bau verschiedener Scheiden aufgenommen)

Abb. 1: Schwert  des Fernando de la Cerda
Abb. 1: Schwert des Fernando de la Cerda
Abb. 2:  Der Nachbau der Scheide mit Gürtung
Abb. 2: Der Nachbau der Scheide mit Gürtung

Benötigtes Werkzeug und Material

 

Benötigtes Material für Holzkern

 

2 Bretter, 1cm dick und mindestens so lang und breit, wie die fertige Scheide sein soll ( etwa Klingenbreite plus 2cm und Klingenlänge plus 5 cm)

 

2 Leisten 1m lang, 1cm breit und mindestens so dick wie die Klinge an der dicksten Stelle

 

kaltwasserfester Holzleim

 

 

Benötigtes Material Scheide und Gürtung

 

ca. 1m x20cm festes dünnes Leder (z.B. Ziege)

 

1 Lederstreifen (Reststück) 20cm x 1cm x 2mm dick

 

1 festen Lederstreifen ca. 70cm x 4cm x 3.5mm dick

 

1 festen Lederstreifen min. 1.4m x 4cm x 3.5mm dick

 

1 Lederschnur 1m lang, 1mm dick

 

gepichten Leinenzwirn

 

Lederkleber (Kontaktkleber)

 

 

Benötigtes Werkzeug

 

langes Lineal

 

viele Wäscheklammern

 

Stich- oder Bandsäge mit Holzsägeblatt

 

Kleiner Handhobel

 

Schleifpapier

 

1 gerade Ahle

 

2 Sattlernadeln

 

scharfes Messer (stabiler Cutter)

 

Winkel

 


Holzkern

 

Die vermutlich authentische Herstellung des Holzkerns geschieht mit zwei entsprechend grossen Brettern, in die die Vertiefung für die Klinge entweder einseitig oder beidseitig eingearbeitet wird und die anschliessend miteinander verleimt werden. Oder mit zwei sehr dünnen Brettern, ähnlich heutiger Furniere, die um die Klinge geformt verklebt und mit Leinenstreifen umwickelt wurden.

 

Viel schneller aber halt vermutlich nicht authentisch geht es natürlich mit zwei zusätzlichen Holzleisten, die zwischen die beiden Bretter geleimt werden. Nachdem die ersten beiden Vorgehensweise ziemlich selbsterklärend ist, beschreibe ich hier die Dritte.

 

Auf beiden Brettern werden beidseitig die Mittellinien aufgezeichnet.

 

Sollte das Schwert keine gerade Griffstange haben, wird die Kontur der Griffstangenunterseite auf das Brett übertragen. Dazu wird ein Stück Papier auf die Seite der Griffstange gelegt und mit einem flach angelegten Bleistift der Unterkante der Griffstange entlang gefahren und entlang der Linie ausgeschnitten. Die so entstandene Schablone wird mittig auf das Brett gelegt, so dass die obersten Punkte der Schablone die Stirnkante des Bretts berühren und die Kontur mit Bleistift auf das Brett gezeichnet.

 

Weil die Griffstange ungleichmässig sein kann, wird die Schablone gewendet und die Kontur nochmals übertragen. Falls die Konturen nicht übereinstimmen, gilt immer die Linie, die am weitesten von der Brettkante entfernt ist, damit das Schwert später „links“ und „rechts“ herum in die Scheide passt.

 

Die beiden Bretter werden, entweder zusammen als Paket oder einzeln, an diese Kontur angepasst (Abb.1).

 

Das Schwert wird auf ein Brett gelegt und mittig ausgerichtet. Die beiden Holzleisten werden an die Klinge gelegt. Falls der Abstand der Leisten zur Aussenkante des Brettes zu gross sein sollte, um später die Leisten mit Wäscheklammern zu fixieren, werden beide Bretter etwas ausserhalb der Leisten grob zugesägt.

 

Die beiden Holzleisten werden mit Holzleim einseitig bestrichen und mit der Leimfläche auf das Brett gelegt, so dass sie Klinge leicht berühren.  Das Schwert wird gewendet und erforderlichenfalls werden die Holzleisten so verschoben, dass das Schwert später „links“ und „rechts“ herum hineinpasst. Die Holzleisten werden mit Wäscheklammern auf dem Brett fixiert (Abb.2) und noch einmal kontrolliert, ob das Schwert immer noch von beiden Seiten hinein passt (letzte Chance zur Korrektur, falls etwas verrutsch ist!). Den Leim gemäss Herstelleranweisungen gründlich austrocknen lassen.

 

Am Ort der Scheide (der „Spitze“) wird zwischen die getrockneten Leisten eine grosszügige Füllung aus Leistenabfällen eingepasst. Das Schwert wird mit der Klinge zwischen die Leisten gelegt und die Kontur der Schwertspitze auf die Füllung übertragen. Hier darf ein bisschen Luft eingerechnet werden, so dass auf die beidseitige Kontrolle verzichtet werden kann. Die Füllung wird an der eingezeichneten Linie ausgesägt und zwischen die Holzleisten geklebt. (In Abb.3 ist die Füllung noch zu sehen.)

 

Die Leisten und die Füllung wird auf die Klingendicke abgehobelt. Dazu wird das Schwert eingelegt und mit einem quer über die Leisten gelegten Lineal kontrolliert, wo wie viel Holz noch abgehobelt werden muss.

 

Das zweite Brett wird aufgeleimt. Dazu werden die Holzleisten mit Leim bestrichen und das Schwert zwischen die Leisten gelegt. Das zweite Brett wird mittig aufgelegt, an die Unterkante der Griffstange ausgerichtet und mit Schraubzwingen fixiert, bis der Leim gemäss Herstelleranweisungen gründlich ausgetrocknet ist.

 

Nach dem Anziehen der Schraubzwingen sollte das Schwert unbedingt vorsichtig herausgezogen werden und eventuelle Leimspuren an der Klinge sofort mit einem feuchten Tuch entfernt werden!

 

Das Schwert wird mittig auf den Scheidenrohling gelegt und die gewünschte Aussenkontur der Scheide auf das Holzbrett gezeichnet (Abb.3). Eine geradlinig konisch zulaufende Aussenkontur erleichtert das anschliessende Einledern des Holzkerns. Die Aussenkante der Scheide sollte mindestens 6mm Abstand von der Klinge haben, damit die Scheide auch nach dem Abrunden der Kanten stabil bleibt.

 

Der Holzkern wird auf die eingezeichnete Aussenkontur gesägt oder gehobelt (Abb.4 und Abb.5) und der Ausschnitt für die Griffstange erforderlichenfalls nachgearbeitet (Abb.6). Die Kontur der Griffstange wird für die beiden Positionen des Schwerts in der Scheide auf den Scheidenmund übertragen (Abb.7 und Abb.8). Die Scheide wird über die ganze Länge auf die jeweils äussere Markierung zugehobelt. Die Kanten werden gerundet (Abb.9) und geschliffen.

 

Einledern

 

Um das „Schnittmuster“ für den Lederüberzug zu ermitteln, wird der Umfang des Holzkerns am Scheidenmund gemessen und dann in einem regelmässigen Abstand, der 10 Stichweiten der späteren Naht entspricht. Bei einer Stichweite von 8mm, wie bei dieser Scheide, sind dies also alle 8cm.

 

Auf der Fleischseite der Lederhaut wird die Mittellinie und senkrecht dazu im gleichen Abstand wie auf dem Holzkern eine Linie eingezeichnet. Also hier alle 8cm. (Anmerkung: Eine komplette Lederhaut weist in der Mitte die höchste Qualität und Festigkeit auf, was beim Vernähen sehr wichtig werden kann. Ein stramm angezogener Faden kann eine sehr lockere Fleischschicht leicht durchreissen. Das Scheidenleder sollte also möglichst aus der Hautmitte geschnitten werden. Eine Ziegenhaut ergibt, je nach Scheidenbreite, drei bis vier Scheidenleder.)

 

Der Scheidenumfang wird am einfachsten und genauesten mit einem schmalen Streifen des gleichen Leders, aus dem das Scheidenleder gemacht wird, ermittelt. Der Lederstreifen wird an der betreffenden Stelle um den Holzkern geschlungen, mit einem Strich der Umfang markiert (Abb.1) und der Umfang ausgemessen. Der Umfang wird halbiert und mittig die entsprechende Linie auf der Lederhaut übertragen (Abb.2). 

 

Die so entstandenen Markierungen werden zur Umrisslinie des Scheidenleders verbunden Die Krümmung am Scheidenende wird vorerst vernachlässigt: Die Seitenlinien werden gerade darüber hinaus um ungefähr3cm verlängert.
Oberhalb der ersten Linie (=Scheidenmund) wird im Abstand von 5cm eine weitere Linie eingezeichnet und auf ihr der Umfang des Holzkerns am Scheidenmund eingetragen.

 

Von der „Scheidenmundlinie“ aufwärts werden die dreieckförmigen Schutzlappen eingezeichnet Der vordere Schutzlappen liegt mittig, der hintere Schutzlappen liegt, in zwei Hälften geteilt, an der Seite des Scheidenleders. Die Höhe des Schutzlappens richtet sich nach der Scheidenbreite und individuellem Schönheitsempfinden. Sie beträgt bei meiner 8cm breiten Scheide 2,8cm.

 

Das Scheidenleder wird entlang der Markierung mit einer scharfen Schere ausgeschnitten, wobei der „Abfall“ der oberen Kante später als Verstärkung genutzt wird (Abb.3).

 

Die Fleischseite der Verstärkung wird mit einem scharfen Messer an der Kante flach abgeschrägt (Abb.4).

 

Entlang der Seitenkante werden auf der Fleischseite im Abstand von 5mm Linien aufgezeichnet und die späteren Einstichstellen für das Vernähen gut sichtbar markiert. Wichtig ist, dass die Markierungen an beiden Seiten auf der gleichen Höhe beginnen – am besten an der „Scheidenmundlinie“ - und kurz vor dem Ende der geradlinigen Seitenkanten des Holzkerns enden. Die Stichweite wird nach Lederdicke und verwendetem Zwirn gewählt. Bei den abgebildeten Scheiden beträgt sie 8mm.

 

Die Löcher für das Vernähen werden mit einer geraden Ahle (Schwertahle) vorgestochen (Abb.5). Die Ahle wird an der Markierung in das Leder gestochen und sollte gleichmässig knapp unterhalb der Narbenoberfläche austreten.

 

Das Scheidenleder wird von oben auf eine Länge von ungefähr 12 cm mit einem Sattlerstich vernäht (Abb.6). Die Fleischseite ist dabei aussen. Das gepichte Leinengarn soll mindestens 4 mal so lang wie die Scheide. Dies Zusatzlänge wird benötigt, um den Sattlerstich „verdeckt“ zu nähen. Dieser ist zwar aufwendiger als ein einfacher „Kreuzstich“, hat aber den Vorteil, dass der Zwirn durch das Leder vor Abrieb geschützt wird und die Naht dadurch haltbarer ist.

 

Den Abschluss bildet ein „halber“ Stich, das heisst dass die Nadel wieder durch das nächste vorgestochene Loch auf der gleichen Kante des Leders geschoben, aber noch nicht über Kreuz wieder zurück genäht wird.

 

Das Scheidenleder wird umgekrempelt und die Verstärkung eingeklebt. Dabei werden jeweils die Fleischseiten mit Lederkleber eingestrichen, eingelegt und angepresst, bis der Kleber trocken ist. Auf diese Weise lässt sich das Leder noch etwas ausrichten, während bei angetrocknetem Lederkleber der erste Kontakt sitzen muss. Das Scheidenleder soll 5mm vorstehen (Abb.7).

 

Die Spitze des Scheidenleders wird so zurechtgeschnitten, dass die Überstände ohne Spalt oder Überdeckung umgeklappt werden können (Abb.7).

 

Das überstehende Scheidenleder wird nach innen umgefaltet und mit einer Lederrundschnur mit Überwendstich „vernäht“ (Abb.8). Die Löcher werden mit einer Rundahle vorgestochen und vorsichtig so geweitet, dass die angespitzte Lederschnur ohne Nadel durchgesteckt werden kann. Die Enden der Lederschnur sollten etwa 3 cm lang sein. Sie werden später einfach zwischen das Leder und den Holzkern gestossen, deshalb ist es wichtig, an einer der beiden tiefsten Stellen mit der Naht zu beginnen und zu beenden!

 

Am Holzkern wird 15mm vom Scheidenmund entfernt eine umlaufende Linie angezeichnet. Damit sie schön gleichmässig verläuft, wird ein Gummiband angelegt, ausgerichtet und nachgezeichnet (Abb.9).

 

Von einem 2mm starken Leder wird ein 1cm breiter Streifen abgeschnitten (Abb.9). Die Länge entspricht dem Scheidenumfang an dem Scheidenmund minus 2cm. Die Enden werden spitz auslaufend zugeschnitten, wobei der gerade bleibende Teil so lang bleibt, dass er gerade über die Vorderseite und Seiten des Holzkerns reicht.

 

Der Lederstreifen wird auf den Holzkern entlang der Markierung aufgeklebt. Erst jetzt entscheidet sich, welche Seite der Scheide „vorne“ und welche „hinten“ sein wird (Abb.10 und Abb.11).

 

Die Verjüngung und der Spalt zwischen den Enden des Lederstreifens (Abb.11) erlauben eine bessere Führung der Halteriemen bei der Gürtung der Scheide.

 

Der Holzkern wird von oben in das Scheidenleder eingeführt, bis er – seitlich - bündig mit dem Scheidenleder abschliesst (Abb.12). Gut zu sehen ist die Wulst die der aufgeklebte Lederstreifen unter dem Scheidenleder bildet. Das Scheidenleder sollte satt anliegen bis leicht spannen. Sollte der Holzkern jedoch so stark klemmen, dass er nicht bis in diese Position geschoben werden kann, muss entweder ein neues, etwas grösseres Scheidenleder angefertigt oder der Holzkern ein klein wenig abgehobelt werden.

 

Das Scheidenleder wird – nun verdeckt - mit dem Sattlerstich weiter vernäht (Abb.13). Es werden drei Stiche gemacht, wobei der Zwirn nach jedem Stich in einer 5cm langen Schlaufe belassen wird.

 

Nun werden die losen Schlaufen von oben her angezogen, aber nur immer so viele, dass das Scheidenleder für die nächsten Stiche noch genügen weit geöffnet werden kann. Die dadurch verlängerten losen Schlaufen werden wieder auf ungefähr 5cm nachgezogen und die nächsten Stiche gemacht und das Spiel beginnt von vorne.

 

Etwa 10cm vor dem Ende der vorgestochenen Löcher wird es Zeit, das Scheidenleder für den Scheidenort anzupassen. Dazu wird das Scheidenleder um den Holzkern gespannt und beidseitig so nachgeschnitten, dass die Kanten des Scheidenleders sich gerade berühren. Die fehlenden Löcher werden mit dem gleichen Abstand zur Lederkante und mit gleicher Stichweite vorgestochen, wie bei der restlichen Naht. Das Scheidenleder wird bis zum Ort vernäht (Abb.14), wobei ein unförmiger Rest unvermeidbar bleibt (Abb.15).

 

Das lose Scheidenleder wird am Ort quer eingeschnitten und dieser Querschlitz keilförmig erweitert, bis sich die Kanten bei stramm sitzendem Scheidenleder wieder berühren. Das lose Scheidenleder wird mit Lederkleber an den Holzkern geklebt (Abb.16).

Die Scheide ist damit fertig zum Befestigen des Schwertgurtes.

 

 

Scheidengurt

 

Zeitgenössische Abbildungen und Skulpturen zeigen für AD1250 zwei Varianten, um den Schwertgurt zu schliessen.

 

Bei der seltener abgebildeten Variante wird der vordere Gurt mit einer Gürtelschnalle und der hintere Gurt mit entsprechenden Löchern versehen.

 

Häufiger abgebildet wird jedoch die Variante, bei der der vordere Gurt mit zwei Schlitzen versehen wird und der hintere Gurt in zwei Lederstreifen ausläuft. Diese Lederstreifen werden durch die Löcher des vorderen Gurtes gefädelt und miteinander verknotet (Abb.1).

 

Ich habe mich für diese Variante entschieden (Abb.2).

 

 

Gurtbefestigung

 

Für die Gurtbefestigung meiner Schwertscheide habe ich folgende Beobachtungen der Originalscheide des Fernando de la Certa(Abb.3)  zugrunde gelegt:

 

Die Unterkante des diagonal verlaufenden Streifens (1) der Gurtbefestigung bildet die Unterkante des vorderen Schwertgurtes. Ich meine dies eindeutig aus dem hochgebogenen Rest schlussfolgern zu dürfen. Dieser Rest weist meiner Schätzung nach eine Dicke von ungefähr 3mm auf.

 

Der selbe Streifen weist einen Längsschlitz in der Mitte der Diagonalen auf.

 

Durch diesen Längsschlitz ist ein kurzer Streifen des Scheidenleders (S) hochgewölbt, der mit ziemlicher Sicherheit durch zwei Schlitze im Scheidenleder entstanden sein dürfte.

 

Ein weiterer diagonal verlaufender Streifen (2) der Gurtbefestigung überkreuzt den ersten Streifen in der Diagonalenmitte und verläuft unter dem kurzen Streifen (S) des Scheidenleders.

 

Zwei schmale Streifen (3 und 4) verlaufen waagrecht über bzw. unter einer wulstartigen Verdickung (V) des Scheidenleders.

 

Der hintere Schwertgurt (5) umfasst die Scheide tiefer als der vordere Schwertgurt und scheint entlang der Scheidenkante zu einer Schlaufe vernäht zu sein. Auf der Umzeichnung von Carol van Driel-Murray (Abb.4) ist diese Naht angedeutet, Auf dem Bild (Abb.3) ist sie jedoch nicht erkennbar.  Bei genauer Betrachtung der Kanten schätze ich den hinteren Gurt sehr dünn ein, vielleicht auf 1mm. Dies würde die grosse Breite erklären, die bei einem solch dünnen Leder die erforderliche Stabilität gibt. Leider ist der weitere Verlauf des Gurtes und vor Allem der Verschluss unbekannt.

 

Zwei schmale Streifen (6 und 7) verlaufen waagrecht unmittelbar neben der Unterkante des hinteren Schwertgurtes (5) und sind miteinander verknotet, nachdem sie je unter einen kurzen Streifen des Scheidenleders (X und Y) geführt sind.

 

 

 

Es fällt auf, dass die Streifen unterschiedliche Färbungen aufweisen. Ob dies an der unterschiedlichen Seite des Leders (Haar- und Fleischseite), Farbe des Leders, Abnutzung, Alterung oder an Lichteffekten beim Fotografieren liegt, kann ich nicht mit Sicherheit beurteilen.

 

 

 

Leider sind mir keine Abbildungen der Rückseite zugänglich, so dass ich auf praktische Versuche angewiesen war, aus der Vielzahl möglicher Varianten eine zu finden, die sowohl in der Praxis taugt, als auch optisch der Vorderseite dem Vorbild entspricht.

 

 

Dies ist die letztendlich erfolgreiche Variante der Gürtung (Abb. 5 und 6):

 

Der vordere Gurt wird im Verlauf in vier Streifen geteilt. (Um Verwirrung mit den obigen Streifenbezeichnungen zu vermeiden, nenne ich sie A, B, C und D.)

 

Die erste Trennung des vorderen Gurtes ABCD in Streifen AB und Streifen CD erfolgt an der linken Scheidenkante, von vorne betrachtet.

 

Streifen AB wird waagrecht hinter die Scheide geführt, Streifen CD diagonal vor die Scheide.

 

Streifen CD weist in der Diagonalenmitte einen Längsschnitt auf, durch den ein kurzer Streifen des Scheidenleders hervorgewölbt ist, der durch zwei parallele Schnitte in dem Scheidenleder entsteht.

 

Streifen AB wird nach etwa einem Viertel der Scheidenbreite in Streifen A und Streifen B geteilt.

 

Streifen B läuft unterhalb der Wulst der Scheide um die Scheide herum und wird mit sich selbst vernäht.

 

Streifen A läuft oberhalb der Wulst um die Scheide herum, unterläuft Streifen B auf der Rückseite, läuft diagonal über die Vorderseite, überkreuzt in der Diagonalenmitte Streifen CD, wobei er den hochgewölbten, kurzen Streifen des Scheidenleders unterläuft. Auf der Rückseite unterläuft Streifen A die hintere Gurtschlaufe diagonal und folgt dessen Unterkante zur Vorderseite der Scheide. Dort unterläuft er einem kurzen Streifen des Scheidenleders, der durch zwei parallele Schnitte in dem Scheidenleder entsteht.

 

Streifen CD teilt sich an der rechten Scheidenkante in Streifen C und Streifen D.

 

Streifen D dient zum Vernähen des hinteren Gurts mit sich selbst und unterläuft anschliessend die so entstandene hintere Gurtschlaufe von unten nach oben. Das Ende von Streifen D liegt frei auf der Scheidenrückseite.

 

Streifen C unterläuft auf der Scheidenrückseite die hintere Gurtschlaufe diagonal und folgt dessen Unterkante zur Vorderseite der Scheide. Dort unterläuft er einem kurzen Streifen des Scheidenleders, der durch zwei parallele Schnitte in dem Scheidenleder entsteht.

 

Streifen A und Streifen D werden in der Mitte der Scheidenvorderseite miteinander verknotet.

 

Die Streifen werden in ihrem Verlauf um die Scheide sowohl schmaler als auch dünner. Dies bedeutet, dass die Streifen, mit einem scharfen Messer während der Anproben schmaler geschnitten und mit einem Hobel dünner gehobelt werden.

 

Streifen CD verjüngt sich nach dem Längsschnitt in der Diagonalenmitte.

 

Streifen C verjüngt sich nach der Trennung von Streifen CD.

 

Streifen A verjüngt sich vor dem Unterlaufen der hinteren Gurtschlaufe.

 

 

So sieht meine Schwertscheide fertig gegürtet aus (Abb.7 und 8).

 

Der hintere und vordere Gurt sind 4cm breit und 3.5mm dick.

 

Streifen A und B sind 8mm breit und 2mm dick.

 

Streifen CD ist 20mm breit und 2mm dick.

 

Streifen C und D sind 3mm breit und 2mm dick

 

Abb. 1: Brett mit Aussparung für Griffstange
Abb. 1: Brett mit Aussparung für Griffstange
Abb. 2: Aufleimen der Holzleisten
Abb. 2: Aufleimen der Holzleisten
Abb. 3: Angezeichnete Aussenkontur
Abb. 3: Angezeichnete Aussenkontur
Abb. 4: Zugehobelte Seitenkontur
Abb. 4: Zugehobelte Seitenkontur
Abb. 5: Zugesägter Scheidenort
Abb. 5: Zugesägter Scheidenort
Abb. 6: Nachbearbeitung des Scheidenmundes
Abb. 6: Nachbearbeitung des Scheidenmundes
Abb. 7: Einzeichnen der Griffstangenkontur
Abb. 7: Einzeichnen der Griffstangenkontur
Abb. 8: Griffstangenkontur (oben bereits bearbeitet)
Abb. 8: Griffstangenkontur (oben bereits bearbeitet)
Abb. 9: Gerundete Kanten und Ort
Abb. 9: Gerundete Kanten und Ort
Abb. 1: Ermitteln des Umfangs
Abb. 1: Ermitteln des Umfangs
Abb. 2: Schnittmuster mit Verstärkung
Abb. 2: Schnittmuster mit Verstärkung
Abb. 3: Ausgeschnittenes Scheidenleder und Verstärkung
Abb. 3: Ausgeschnittenes Scheidenleder und Verstärkung
Abb. 4: Abgeschrägte Kante der Verstärkung
Abb. 4: Abgeschrägte Kante der Verstärkung
Abb. 5: Vorstechen der Löcher
Abb. 5: Vorstechen der Löcher
Abb. 6: Sattlerstich
Abb. 6: Sattlerstich
Abb. 7: Eingeklebte Verstärkung
Abb. 7: Eingeklebte Verstärkung
Abb. 8: Vernähte Verstärkung
Abb. 8: Vernähte Verstärkung
Abb. 9: Vorbereitung zum Anbringen der Wulst
Abb. 9: Vorbereitung zum Anbringen der Wulst
Abb. 10: Aufgeklebte Wulst von vorne …
Abb. 10: Aufgeklebte Wulst von vorne …
Abb. 11: …. und von hinten
Abb. 11: …. und von hinten
Abb. 12: Holzkern mit Scheidenleder überzogen
Abb. 12: Holzkern mit Scheidenleder überzogen
Abb. 13: Verdeckter Sattlerstich
Abb. 13: Verdeckter Sattlerstich
Abb. 14: Scheidenleder am Ort
Abb. 14: Scheidenleder am Ort
Abb. 15: Vernähtes Scheidenleder am Ort
Abb. 15: Vernähtes Scheidenleder am Ort
Abb. 16: Nachbearbeitetes Scheidenleder am Ort
Abb. 16: Nachbearbeitetes Scheidenleder am Ort
Abb. 1: Relief Kirche St. Justina, Padua (ca. AD1210)
Abb. 1: Relief Kirche St. Justina, Padua (ca. AD1210)
Abb. 2: Vorderer Gurt mit zwei Schlitzen
Abb. 2: Vorderer Gurt mit zwei Schlitzen
Abb. 3: Schwertscheide  des Fernando de la Cerda
Abb. 3: Schwertscheide des Fernando de la Cerda
Abb. 4: Umzeichnung von Carol van Driel-Murray
Abb. 4: Umzeichnung von Carol van Driel-Murray
Abb. 5: Meine Interpretation der Vorderseite
Abb. 5: Meine Interpretation der Vorderseite
Abb. 6: Meine Vermutung der Rückseite
Abb. 6: Meine Vermutung der Rückseite
Abb. 7: Meine Interpretation der Vorderseite
Abb. 7: Meine Interpretation der Vorderseite
Abb. 8: Meine Vermutung der Rückseite
Abb. 8: Meine Vermutung der Rückseite