Schild

Vorwort

 

Die folgende Beschreibung ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie ein solcher Schild hergestellt werden kann. Ich erhebe keinen Anspruch auf alleinige Wahrheit, sondern rege bewusst dazu an, vor Projektstart auch andere Bauanleitungen zu studieren, von denen es inzwischen sehr viele und sehr gute im Internet gibt. Insbesondere das Buch „Der mittelalterliche Reiterschild“ von Jan Kohlmorgen (Karfunkel) kann ich nur bestens empfehlen.

 

Der Nachbau

 

Der Kern meiner Schilde (Abb.1) besteht aus drei Lagen Sperrholz zu je 4mm Dicke, die ich gewölbt verleime. Der Überzug besteht aus Leinenstoff, der mit verdünntem Holzleim getränkt wird. Stark beanspruchte Schilde versehe ich mit einem Kantenschutz aus Leder.

 

Arbeiten mit Holz und den entsprechenden Werkzeugen bergen hohe Verletzungsgefahren in sich. Gebotene Vorsicht, geeignete Schutzmassnahmen und -ausrüstung setze ich  als selbstverständlich voraus, so dass ich in dieser Beschreibung nicht weiter darauf eingehe.

 

Ebenso gehe ich davon aus, dass etwas handwerkliches Geschick und Erfahrung vorhanden ist, so dass ich die Grundtechniken wie Bohren, Sägen, Feilen etc. nicht erkläre.

 

Abb. 1: Mein Schild und -rohlinge
Abb. 1: Mein Schild und -rohlinge

Benötigtes Werkzeug und Material

 

Benötigtes Material

 

Stahlblech, 2 mm dick

 

24 Senknieten, 4mm Durchmesser

 

24 Senkschrauben M4

 

24 Muttern M4

 

24 Spreizklammern (Büroklammern)

 

2 Lederriemen

 

1 Riemenschnalle (falls erwünscht)

 

2 Unterlegscheiben

 

Wollstoff

 

grober Leinenstoff

 

Leinenzwirn

 

 

Benötigtes Werkzeug

 

4 Winkeleisen

 

Hammer

 

Zahnspachtel

 

Stichsäge mit Holzsägeblatt

 

Bohrmaschine

 

4 mm Bohrer

 

Min. 6 Schraubzwingen

 

Holzfeilen, mittel und fein

 

Amboss oder stabile Unterlage

 

Schere

 

Scharfes Messer (Cutter)

 

4 cm breiter Pinsel (für Holzleim)

 

Pinselsortiment (für Bemalung)

 

3 Transportgurte mit Ratschen

 

Zwei Böcke

 


 

Modell aus Karton

 

Wenn kein Schild als Vorlage zur Verfügung steht, empfiehlt es sich, unbedingt ein „Modell“ des Schildes aus Karton anzufertigen. Neben der Möglichkeit, den Schild und die Bemalung in Originalgrösse ausprobieren zu können, lassen sich die Lage und die Grössen der Handhaben und der Schildfessel mit Paketklebeband, Schnüren oder Ähnlichem ermitteln. Wird der Schild später über Gambeson und Panzerhemd getragen, sollten diese bei der Anprobe ebenfalls getragen werden.

 

Schildrohling herstellen

 

Der Schildrohling besteht aus drei Sperrholzplatten (Abb.2). Sie lassen sich besser entlang der Holzfasern (durch Doppelpfeil in Abb. 2 angedeutet) der äusseren Schichten biegen, deshalb sollten die Länge der Platten in Faserrichtung der Höhe des Schildes entsprechen, plus 5 cm Bearbeitungszugabe. Entsprechend sollten die Platten 5 cm breiter sein, als der fertige Schild.

 

Zuerst werden die Sperrholzplatten miteinander bei Raumtemperatur verleimt. Um genügend Zeit für die Ausrichtung zu haben, empfiehlt sich, langsam bzw. normal abbindenden Holzleim zu verwenden.

 

Die unterste Platte wird auf zwei Böcke gelegt und grosszügig mit dem Holzleim bestrichen. Damit der Leim schön gleichmässig verteilt wird, sollte dazu ein Zahnspachtel verwendet werden. Dann wird die mittlere Platte aufgelegt und ebenfalls grosszügig mit Leim bestrichen. Anschliessend wird die obere Platte aufgelegt und alle drei Platten möglichst exakt zueinander ausgerichtet.

 

Anschliessend werden seitlich je zwei Winkeleisen mit Schraubzwingen befestigt (Abb.3).

 

Danach werden drei Transportgurte um die Platten und Winkeleisen gelegt und gleichmässig angezogen, bis die gewünschte Krümmung erreicht ist (Abb.4). Der Rohling wird nach dem Trocknen ein wenig zurückfedern. Dieses Zurückfedern hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht vorhersagen. Wen das stört, der sollte einfach noch „ein kleines Bisschen“ mehr anziehen und hoffen, dass es stimmt. Der Schildrohling wird umgedreht und durch Verwinden der Seitenkanten so gerichtet, dass die Winkeleisen schön gleichmässig auf den Böcken aufliegen. Selbstverständlich sollten die beiden Böcke ihrerseits auf ebenem Boden stehen, stabil und identisch sein.

 

Der Schildrohling sollte nun drei Tage Zeit haben, bei Raumtemperatur auszutrocknen.

 

Nach drei Tagen werden die Gurte gelöst und die Winkeleisen abgenommen. Die seitlichen Ränder der einzelnen Platten haben sich während des Biegens scheinbar verkürzt (Abb.5). Das ist völlig normal und wird beim nachfolgenden Aussägen sowieso wegfallen.

 

Danach wird der Schild mit gleichmässigen Abständen zu den Rändern der Sperrholzplatten aufgezeichnet und entlang dieser Linie mit einer Stichsäge ausgesägt (Abb.6).

 

Zuletzt werden die Unebenheiten der Schnittkante begradigt und die Kanten des Schildes Rund gefeilt und geschliffen (Abb.7).

 

Bespannung aufkleben

 

Die Schildrückseite wird zuerst bespannt. Aus grobem Leinen wird dazu ein passendes Stück mit etwas Bearbeitungszugabe ausgeschnitten. Dann wird die Schildrückseite, mit Wasser leicht verdünntem, Holzleim bestrichen. Hierzu eignet sich ein breiter Pinsel am Besten. (Der Holzleim lässt sich gut aus dem Pinsel und allem anderen Werkzeug mit klarem Wasser abspülen, solange er nicht eingetrocknet ist.) Dann wird der Stoff auf den nassen Leim gelegt, ausgerichtet und festgedrückt. Ich mache das von Hand, wer will und einen hat, kann selbstverständlich einen Hartgummiroller verwenden. Dann wird der Stoff möglichst genau mit einer Schere entlang der Kantenmittellinie abgeschnitten (Abb.8). Wer den Schildrand mit Leder oder Rohhaut verstärken will, braucht es bei der Bespannung am Schildrand nicht ganz so genau nehmen.

 

Nachdem die Bespannung der Schildrückseite gut getrocknet ist, wird die Vorderseite auf die gleiche Weise bespannt. Der einzige Unterschied ist jedoch, dass die Bespannung über den Schildrand gezogen wird und auf der Rückseite etwa 3 cm überlappt (Abb.9).

 

Nachdem auch die Bespannung der Vorderseite gut getrocknet ist, werden die Vorder- und Rückseite des Schildes so lange abwechselnd mit Wasser verdünntem Holzleim bestrichen, bis die Oberfläche völlig glatt ist. Der Holzleim sollte so weit verdünnt werden, dass er sich gut streichen lässt, ohne Spuren zu hinterlassen. Zwischen den einzelnen Arbeitsgängen sollte der Holzleim immer wieder trocknen können.

 

Danach wird die Schildrückseite grundiert und nach Wunsch bemalt. Farbe gut trocknen lassen.

 

Schildpolster, Handhaben und Schildfessel

 

Die Lage dieser Polsterung und die der Handhaben und Schildfessel werden auf der Schildrückseite aufgezeichnet (Abb.10). Die Masse in der Abbildung gelten für meine Schilde und meinen Unterarm und müssen bei Bedarf an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden.

 

Aus Leder wird ein Rechteck entsprechend der gewünschten Grösse des Unterarmpolsters ausgeschnitten. Mehrere Lagen eines groben Wollstoffs werden so zugeschnitten, dass sie rundum einen 1 cm breiten Rand zum Lederstück frei lassen. Es werden so viele Stücke davon benötigt, bis sie, übereinander gelegt, die gewünschte Polsterung ergeben.

 

Dann werden das Wollstoffpaket und das Leder auf der Markierung ausgerichtet und das Leder an einer Schmalseite mit Paschnägeln festgenagelt (Abb.11). Die Nägel müssen kürzer sein, als der Schild dick ist, damit ihre Spitzen nicht vorne herauskommen. Eventuell müssen die Nägel mit einer Zange abgezwickt werden. Danach wird das Leder leicht gespannt und auf der gegenüberliegenden Stirnseite festgenagelt. Anschliessend werden die Seiten des Leders festgenagelt. Für die Handhaben und die Schildfessel werden aus 3 mm starkem Rindsleder 3,5 cm breite Lederstreifen geschnitten. Es empfiehlt sich, die Handhabe für den Unterarm zweiteilig auszuführen, damit sie später verstellt werden kann. Der kurze Teil der Schildfessel bekommt eine passende Schnalle angenäht. Die angegeben Masse stammen von meinen Schilden und verstehen sich als grobe Richtwerte.

 

Für die Befestigung am Schild gibt es zwei Möglichkeiten (Abb.12 und 13): Mit paarweise angeordneten und umgeschlagenen Nägeln oder mit einem Nagel, der angenietet wird.

 

An jedem Ende werden mit einer Lochzange, je nach gewählter Befestigungsmethode, ein oder zwei Löcher gestanzt, die so gross sein sollten, wie die Nägel dick sind. Der Abstand zum Riemenende sollte 3 cm betragen.

 

Dann werden die Handhaben provisorisch auf die Schildrückseite gehalten und die Lage der Löcher markiert (Abb.14). Anschliessend werden die Löcher von hinten durch den Schild gebohrt. Der Bohrer sollte etwas dünner als die Nägel sein.

 

Die Nägel werden von vorne durch den Schild geschlagen und die Handhaben aufgesteckt (Abb.15 links oben).

 

Bei der ersten Befestigungsmethode werden die Nägel danach rechtwinklig umgeschlagen (Abb.15 links Mitte). Dazu sollte der Nagel mit einer waagrecht gehaltenen Zange dicht über dem Leder gefasst werden, so dass sie als „Mini-Amboss“ dient.

 

Zuletzt werden die Nägel so umgeschlagen, dass die abgebogene Spitze in Richtung Riemenende durch den Riemen in das Holz geschlagen wird. Der abgebogene Teil der Nägel darf deshalb nicht länger sein als der Schild dick ist, sonst kommen sie vorne heraus (Abb. 15 links unten).

 

Bei der zweiten Befestigungsmethode werden Unterlagscheiben aus 2.5 mm starkem Blech angefertigt werden, die sorgfältig abgerundet sein sollten, um das Leder nicht zu beschädigen. Das Loch entspricht der Nageldicke. Nach dem Aufstecken der Riemen werden die Unterlagscheiben aufgeschoben und die Nägel etwa 2 mm überstehend abgezwickt (Abb.15, rechts oben). Dann werden die überstehenden Nagelenden mit einem Hammer zu einem Nietkopf flach geschlagen (Abb.15, rechts unten).

 

Bemalung

 

Die Grundierung und Bemalung der Vorderseite erfolgt erst, wenn die Handhaben und Schildfessel angebracht sind, damit sie während dieser Prozedur nicht beschädigt werden.

 

Abb. 2: Sperrholzplatten mit Bearbeitungszugabe
Abb. 2: Sperrholzplatten mit Bearbeitungszugabe
Abb. 3: Angesetzte Winkeleisen
Abb. 3: Angesetzte Winkeleisen
Abb. 4: Mit Transportgurten gebogenes Sperrholzpaket
Abb. 4: Mit Transportgurten gebogenes Sperrholzpaket
Abb. 5: Getrocknetes Sperrholzpaket
Abb. 5: Getrocknetes Sperrholzpaket
Abb. 6: Aufgezeichneten Schild aussägen
Abb. 6: Aufgezeichneten Schild aussägen
Abb. 7: Schildkanten mit Feile und Schleifpapier runden
Abb. 7: Schildkanten mit Feile und Schleifpapier runden
Abb. 8: Rückseite mit Leinen bekleben
Abb. 8: Rückseite mit Leinen bekleben
Abb. 9: Vorderseite mit Leinen bekleben
Abb. 9: Vorderseite mit Leinen bekleben
Abb. 10: Lage von Polster und Handhaben aufzeichnen
Abb. 10: Lage von Polster und Handhaben aufzeichnen
Abb. 11: Polster anbringen
Abb. 11: Polster anbringen
Abb. 12: Befestigung mit umgeschlagenen Schildnägeln
Abb. 12: Befestigung mit umgeschlagenen Schildnägeln
Abb. 13: Befestigung mit vernieteten Schildnägeln
Abb. 13: Befestigung mit vernieteten Schildnägeln
Abb. 14: Löcher für Handhaben und Schildfessel bohren
Abb. 14: Löcher für Handhaben und Schildfessel bohren
Abb. 15: Umschlagen bzw. Vernieten der Schildnägel
Abb. 15: Umschlagen bzw. Vernieten der Schildnägel