Polsterhaube

Historisches

Um den Tragekomfort der Ringpanzerhaube zu erhöhen, wurde darunter eine gepolsterte Haube getragen. Leider gibt es derzeit keinen Fund einer solchen Polsterhaube aus dem 13. Jahrhundert. Zeitgenössische Abbildungen (z.B. in der Maciejowski-Bibel, Abb.1) sind mit Vorsicht zu interpretieren, weil sie zu einem gewissen Grad künstlerische Freiheiten beinhalten und die Details von den Möglichkeiten und Interessen des Malers abhängen. Andererseits lässt die Funktion einer solchen Polsterhaube Rückschlüsse auf die Beschaffenheit zu.

 

 

 

Die nachempfundene Polsterhaube

Die den Abbildungen nachempfundene Polsterhaube (Abb.2) besteht aus den äusseren Lagen aus ungebleichtem, festem Leinen und der Polsterung aus dichtem Wollstoff. Es sind durchaus andere Materialien als auch Vorgehensweisen wie hier beschrieben zur Herstellung einer funktionierenden Polsterhaube möglich und wahrscheinlich.

 

Meine Helme, die ich über meiner Polsterhaube trage, weisen ihrerseits ein Futter mit Polsterwirkung auf, so dass die die Polsterhaube dem Tragekomfort der Ringpanzerhaube angepasst und damit eher dünn gehalten ist.

 

 

 

Arbeiten mit Nadel und Schere bergen hohe Verletzungsgefahren in sich (siehe Abb.28). Gebotene Vorsicht, geeignete Schutzmassnahmen und -ausrüstung setze ich als selbstverständlich voraus, so dass ich in dieser Beschreibung nicht weiter darauf eingehe.

Ebenso gehe ich davon aus, dass etwas handwerkliches Geschick und Erfahrung vorhanden ist, so dass ich aus Platzgründen auf die Erklärung der Grundtechniken des Schneiderhandwerks verzichte. 

 

Abb. 1: Abbildung in der Maciejowski Bibel (Frankreich ca. AD 1250)
Abb. 1: Abbildung in der Maciejowski Bibel (Frankreich ca. AD 1250)
Abb. 2:  Die nachempfundene Polsterhaube
Abb. 2: Die nachempfundene Polsterhaube

Benötigtes Werkzeug und Material

 

Benötigtes Material

 

Festes Leinen für vier Aussenteile und zwei Streifen 3.2cm x xxcm

 

Ausreichend Wollstoff für die Polsterung

 

Leinenfaden 3-fach gezwirnt

 

Leinenfaden 2-fach gezwirnt – alternativ gehen alle Nähte auch mit 3-fach gezwirnten Leinenfaden

 

Klumpen Bienenwachs

 

 

Benötigtes Werkzeug

 

Nähnadel

 

Schere

 

Geeignete Stifte oder Schneiderkreide zum Anzeichnen der Schnittkanten und Nahtlinien

 

Massband oder Lineal

 


Schnittmuster

Abb. 3: Schnittmuster Aussenteil
Abb. 3: Schnittmuster Aussenteil
Abb. 4: Schnittmuster Polsterung
Abb. 4: Schnittmuster Polsterung

 

Schnittmuster anfertigen

 

Die Schnittmuster für die Aussenteile und die Polsterung (Abb.3 und 4) ausdrucken und entsprechend vergrössern. Im Massstab 1:1 ergibt dies eine Polsterhaube mit (m)einem Kopfumfang von 59cm.

 

 

 

 

 

Stoff zuschneiden, Nähte anzeichnen

 

Das äussere Schnittmuster wird viermal auf festen Leinenstoff übertragen. Der Pfeil im Schnittmuster zeigt die Richtung des Fadenverlaufs an. Die Stoffteile werden ausgeschnitten (Abb.5) und auf zwei Teile werden die Nahtlinien 1cm von der Schnittkante entfernt angezeichnet. 

 

 

Der Polsterschnittmuster wird so oft auf den gewählten Polsterstoff übertragen, dass die gewünschte Polsterung erreicht wird. Die Stoffteile werden ausgeschnitten (Abb.6)

 

 

Nähen

 

Grundsätzlich wird mit gewachstem Leinenfaden genäht. Gewachst wird der Faden, indem er ein paar Mal über den Bienenwachsklumpen gezogen wird. Er bleibt dann länger stabil.

 

Alle Nähte werden mit 3-fach gezwirntem Faden genäht, ausser es wird ausdrücklich ein 2-fach gezwirnter Faden erwähnt.  Dieser ergibt etwas weichere, aber auch schwächere Nähte. Aber auch diese Nähte können mit dem 3-fach gezwirnten Faden genäht werden, wenn kein 2-fach gezwirnter Faden zur Hand ist

 

 

 

Als erstes werden je zwei Aussenteile (eines mit angezeichneter Nahtlinie und eines ohne) zusammengesteckt (Abb.7). Mit einem 2-fach gezwirnten Faden werden die Aussenteile entlang der eingezeichneten Nahtlinie zuerst vorwärts (Abb.8) und anschliessend rückwärts (Abb.9) zu einer offenen Tasche zusammen genäht (Abb.10). Die zwei anderen Aussenteile werden auf die gleiche Weise zusammen genäht. Die Taschen werden gewendet, so dass die Naht zwischen den beiden Stoffteilen liegt, mit Stecknadeln fixiert und flach gebügelt (Abb.11).

 

Die Steppnähte für die Polsterung werden eingezeichnet, dabei darauf achten, dass ein linkes und ein rechtes Teil entstehen (Abb.12). Bei der abgebildeten Polsterhaube beträgt der Abstand zwischen den Steppnähten 3cm.

 

Die zwei Polsterungen werden mit groben Steppstichen zu Paketen fixiert (Abb.13), damit die Stofflagen nicht verrutschen

 

Die beiden Polster werden in die Taschen geschoben, so dass sie an den Nähten anstehen und ein gleichmässiger, 1cm breiter Abstand zwischen Polster und offenen Kante der Tasche entsteht (Abb.14).

 

Die Taschen werden geschlossen und entlang der offenen Kante abgesteckt (Abb.15).

 

Nun werden die Steppnähte entlang der angezeichneten Linien (nur vorwärts) genäht (Abb.16). Jetzt sollten die Teile aussehen wie in Abbildung 17.

 

Die beiden Seitenteile werden zusammengesteckt (Abb.18) und entlang der spürbaren Polsterkante zuerst vorwärts (Abb.19) und anschliessend rückwärts (Abb.20) zur Haube zusammen genäht. Wichtig: Die Naht darf nur durch den Leinenstoff gehen, sonst wird die Naht-Wulst nach dem Wenden zu gross!

 

Aus dem Leinen werden zwei 3.2cm breite und xxcm lange Streifen geschnitten (Abb.21). Diese Streifen werden in der Mitte gefaltet zusammengesteckt und flach gebügelt (Abb.22 links). Anschliessend werden die beiden Seiten nach innen geklappt, und mit Stecknadeln fixiert (Abb.22 rechts). An je einem Ende der Streifen wird der Mittelfalz weggelassen (Abb.23). Das andere Ende wird mit 2-fach gezwirntem Faden im Überwendstich gegen Ausfransen gesichert und dann (nur vorwärts) entlang der offenen Kante genäht (Abb.24). Diese Naht endet xxcm vor dem Ende des Streifens (Abb.25). Die beiden Streifen sollten nun aussehen wie in Abbildung 26.

 

Das unvernähte Ende der Streifen wird leicht schräg von innen an die Haube gesteckt und zuerst vorwärts (Abb.27) und anschliessend rückwärts (Abb.28; der Blutfleck ist authentisch) angenäht. Von aussen sieht diese Naht aus wie in Abbildung 29.

 

Die Längsnaht, die die beiden Seitenteile verbindet, wird mit 2-fach gezwirntem Faden im Überwendstich versäubert (Abb.30 und 31). Das kann natürlich auch schon vor dem Annähen der Streifen geschehen.

Nach dem „Versorgen“ der losen Fadenenden ist die Polsterhaube fertig.

Abb. 5: Ausgeschnittenes Aussenteil
Abb. 5: Ausgeschnittenes Aussenteil
Abb. 6: Ausgeschnittene Polsterteile
Abb. 6: Ausgeschnittene Polsterteile
Abb. 7: Zusammengesteckte Aussenteile
Abb. 7: Zusammengesteckte Aussenteile
Abb. 8: Vorwärts nähen ...
Abb. 8: Vorwärts nähen ...
Abb. 9: ... und wieder zurück nähen
Abb. 9: ... und wieder zurück nähen
Abb. 10: Zusammengenähte Aussenteile
Abb. 10: Zusammengenähte Aussenteile
Abb. 11: Gewendete und fixierte Tasche
Abb. 11: Gewendete und fixierte Tasche
Abb. 12: Angezeichnete Steppnähte
Abb. 12: Angezeichnete Steppnähte
Abb. 13: Zusammengeheftetes Polster
Abb. 13: Zusammengeheftetes Polster
Abb. 14: Eingeschobenes Polster
Abb. 14: Eingeschobenes Polster
Abb. 15: Geschlossene Seitenteile
Abb. 15: Geschlossene Seitenteile
Abb. 16: Steppnaht
Abb. 16: Steppnaht
Abb. 17: Fertig gestepptes Seitenteil
Abb. 17: Fertig gestepptes Seitenteil
Abb. 18: Zusammengesteckte Seitenteile
Abb. 18: Zusammengesteckte Seitenteile
Abb. 19: Wieder vorwärts nähen ...
Abb. 19: Wieder vorwärts nähen ...
Abb. 20: ... und wieder zurück nähen
Abb. 20: ... und wieder zurück nähen
Abb. 21: Die zugeschnittenen Bänder
Abb. 21: Die zugeschnittenen Bänder
Abb. 22: Mittig gefaltet (links) und Seiten eingeklappt (rechts)
Abb. 22: Mittig gefaltet (links) und Seiten eingeklappt (rechts)
Abb. 23: Das breite Ende
Abb. 23: Das breite Ende
Abb. 24: Umsäumtes Ende
Abb. 24: Umsäumtes Ende
Abb. 25: Nahtende vor der Verbreiterung
Abb. 25: Nahtende vor der Verbreiterung
Abb. 26: Fertige Bänder
Abb. 26: Fertige Bänder
Abb. 27: Angeheftetes Band und vorwärt nähen
Abb. 27: Angeheftetes Band und vorwärt nähen
Abb. 28: Fertig zurück genäht
Abb. 28: Fertig zurück genäht
Abb. 29: Naht von aussen
Abb. 29: Naht von aussen
Abb. 30: Umsäumen ...
Abb. 30: Umsäumen ...
Abb. 31: ... im Detail
Abb. 31: ... im Detail