Bandspangenhelm

Historisches

Bevor runde oder konische Helme aus einem Stück getrieben werden konnten, wurden sie aus mehreren Teilen zusammengenietet. Entweder wurden die Teile der Kalotte direkt miteinander oder über Spangen bzw. Bänder vernietet. Spangen reichen von dem Stirnreif bis zum Scheitelpunkt, während Bänder durchgehend sind und sich im Scheitelpunkt überkreuzen. Ein Bandspangenhelm ist eine Mischform, bei der ein Band von vorne nach hinten verläuft und die seitlich Spangen aufweist. Leider gibt es derzeit keinen Fund eines solchen Helmes. Zeitgenössische Abbildungen (z.B. in der Maciejowski-Bibel, Abb.1) sind mit Vorsicht zu interpretieren, weil sie zu einem gewissen Grad künstlerische Freiheiten beinhalten und die Details von den Möglichkeiten und Interessen des Malers abhängen

 

 

 

Der nachempfundene Helm

 

Der den Abbildungen nachempfundene Helm (Abb.2) besteht aus einem Stirnreif, einem langen Streifen (Band), der von der Stirn zum Hinterhaupt verläuft, zwei kurzen, seitlichen Streifen (Spangen), vier Segmenten, die die Zwischenräume zwischen dem Band und den Spangen füllen und dem Nasenschutz (Nasal).

 

Die Helmriemen sind an den Stirnreif genietet und werden mit einer Schnalle geschlossen.

 

Der Helm ist ungefüttert.

 

 

Arbeiten mit Metall und den entsprechenden Werkzeugen bergen hohe Verletzungsgefahren in sich. Gebotene Vorsicht, geeignete Schutzmassnahmen und -ausrüstung setze ich als selbstverständlich voraus, so dass ich in dieser Beschreibung nicht weiter darauf eingehe. Grundsätzlich sollten bei der Bearbeitung entstehende Grate wegen ihrer Verletzungsgefahr so schnell wie möglich entfernt werden.

 

Ebenso gehe ich davon aus, dass etwas handwerkliches Geschick und Erfahrung vorhanden ist, so dass ich aus Platzgründen auf die Erklärung der Grundtechniken wie Bohren, Feilen, Sägen, Schleifen und Nieten verzichte.

 

Abb. 1: Abbildung in Maciejowski-Bibel (Frankreich ca. Ad1250)
Abb. 1: Abbildung in Maciejowski-Bibel (Frankreich ca. Ad1250)
Abb. 2:  Der Nachbau des Tophelms um AD 1200
Abb. 2: Der Nachbau des Tophelms um AD 1200

Benötigtes Werkzeug und Material

 

Benötigtes Material

 

 

 

Stahlblech, 2 mm dick

 

Niete, 4mm Durchmesser

 

Senkschrauben M4

 

Muttern M4

 

2 Lederriemen

 

1 Riemenschnalle (falls erwünscht)

 

Leinenzwirn

 

 

 

Benötigtes Werkzeug

 

Gummihammer

 

Hammer mit kugeliger Bahn

 

Hammer mit ebener Bahn

 

Stich- oder Bandsäge mit Metallsägeblatt

 

Bohrmaschine

 

4 mm Bohrer

 

Körner

 

2 Schraubzwingen

 

Schleifmaschine

 

Metallfeilen, mittel und fein

 

Amboss

 

Baumstumpf mit kugelförmiger Vertiefung

 

Nähnadel

 

Schere

 

Scharfes Messer (Cutter)

 

Lochzange


Schnittmuster der Segmente

Quelle: The Armour Archive  http://www.armourarchive.org/patterns/spangen_ab/ von Alan Bauldree

Schnittmuster des Nasals

 

Schnittmuster anfertigen

 

Am besten wird von einem gut sitzenden Helm die Kontur der Helmunterkante auf Pappe übertragen. Diese Schablone wird während des Helmbaus immer wieder gebraucht.

 

Das Schnittmuster der Segmente habe ich von Armoury Archive. Sie ergeben mit einem ca. 1cm-Spalt zwischen den Segmenten einen Helmumfang (innen und ohne Futter gemessen) von 67.5 cm. Grösser sollte der Spalt nicht sein, weil ansonsten die Niete zu nahe am Rand gesetzt werden müssen und ausreissen können. Wenn die Schablone einen abweichenden Umfang aufweisen, kann das Schnittmuster der Segmente entsprechend vergrössert verkleinert ausgedruckt werden.

 

Das Nasal und vor allem die seitlichen Arme habe ich so ausgelegt, dass es  genügend Festigkeit nach dem Vernieten hat, und gleichzeitig als Verbindung für die Enden des Stirnreifs dient. Das Nasal bietet eine hervorragende Gelegenheit, individuellen gestalterischen Energien freien Lauf zu lassen. Wenn der Helm ohne Nasal gebaut wird, müssen entweder die Enden des Stirnreifs überlappen und vernietet werden oder, ein rechteckiges Blechstück als Nietplatte dienen. Bei letzterer Methode gibt es keinen Absatz im Stirnreif und der Übergang zu benachbarten Bauteilen wird dadurch schöner. Alternativ kann natürlich auch der überlappende Stirnreif von dem Vernieten angeschäftet oder gar feuerverschweisst werden.

 

Die restlichen Teile, Stirnreif, Band und Spangen, sind einfache Streifen, die direkt auf das Blech gezeichnet werden können - ein Schnittmuster erübrigt sich.

 

 

 

Segmente

 

Das Schnittmuster wird viermal auf 2mm Blech übertragen. Die vier Segmente werden am besten mit einer Bandsäge ausgesägt (Abb.3), es geht aber auch mit einer Stichsäge und Metallsägeblatt. Die Kontur wird bei Bedarf nachgefeilt bzw. geschliffen und entgratet.

 

Die Segmente werden im angegebenen Bereich kalt in sphärische (kugelige) Form getrieben (Abb.4). Wichtig: Darauf achten, dass je zwei Segmente „von links“ getrieben werden und je zwei „von rechts.“  Dazu werden die Seitenkanten der Segmente mit C (centre) und E (end) beschriftet. Später müssen immer C- auf C-Kanten und E- auf E-Kanten treffen. Die E-Kanten liegen später vorne und hinten, die C-Kanten seitlich am Helm.

 

Ich verwende zum sphärisch Treiben einen Hammer mit sphärisch geschliffener Bahn und als Unterlage einen Baumstumpf mit zwei verschieden grossen, sphärischen Vertiefungen (Abb.5).

 

 

 

Um das Blech möglichst gleichmässig zu treiben, zeichne ich mit Filzstift Linien auf den zu treibenden Bereich und orientiere mich während der Arbeit an ihnen (Abb.6). Ich beginne in der Mitte und arbeite mich spiralförmig nach aussen vor, wobei ich lieber mehr Durchgänge mit geringer Kraft mache, als wenige Durchgänge mit kraftvolleren Schlägen. Die Oberfläche wird dadurch gleichmässiger und der Fortschritt der Wölbung lässt sich leichter kontrollieren.

 

Entgegen der Abbildung empfehle ich, die Hand, die das Blech hält, mit einem dicken Handschuh zu schützen. Hin und wieder schlägt das Blech nämlich schmerzhaft zurück, wenn es nicht sauber aufliegt oder getroffen wird.

 

Zwischendurch werden immer wieder die vier Segmente zusammengestellt, um die gleichmässige und
ausreichende Formgebung zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren (Abb.7). Dazu empfiehlt es sich, die Segmente so zu kennzeichnen, dass sie immer in der gleichen Anordnung zusammengestellt werden können.

 

Stirnreif, Band und Spangen

 

Stirnreif, Band und Spangen werden aus 2mm Blech ausgesägt oder abgeschert. Alle Streifen sind 38mm breit. Der Stirnreif ist so lang wie der Helmumfang, das Band und die Spangen sollten erst abgemessen werden, wenn die Segmente an den Stirnreif geschraubt sind und mit etwa 2cm Überlänge hergestellt werden.

 

Der Stirnreif wird entsprechend der Draufsicht gebogen, so dass die Trennstelle vorne in der Mitte liegt (Abb.8). Das Band und die Spangen werden nur grob gerundet (Abb.9). Ihre Feinanpassung erfolgt später.

 

Am Stirnreif werden die drei späteren Mittelpunkte des Bandes und der Spangen markiert (der vierte liegt an der Trennstelle und braucht deshalb nicht markiert werden). Dazu wird der Umfang des Stirnreifs gemessen und in vier gleiche Teile geteilt. 

 

Nasal

 

Das Schnittmuster des Nasals wird auf 3mm Blech übertragen. Das Nasal wird ausgesägt, die Kontur bei Bedarf nachgefeilt bzw. geschliffen und entgratet (Abb.10).

 

Die Mittelpunkte der Nietlöcher werden angezeichnet und mit einem 4mm Bohrer gebohrt. Die Bohrungen werden von beiden Seiten mit einem Senker entgratet.

 

Die drei „Ausläufer“ des Nasals werden mit der Schruppscheibe oder Schleifer zum Ende hin auf etwa ein bis zwei Millimeter dünner geschliffen.

 

Das Nasal wird entsprechend der Draufsicht gerundet und an die Trennstelle des Stirnreifs angepasst (Abb.11).

 

Zusammenbau

 

Der Stirnreif wird mit dem Nasal provisorisch geschlossen. Dazu werden die späteren Nietlöcher in den Stirnreif gebohrt, wobei das Nasal als Bohrlehre dient. Das Nasal wird mit 4mm Senkschrauben an den Stirnreif geschraubt (Abb.12). Die Enden der Schrauben mit den Muttern sollten aussen liegen, damit der Helm später mit den Schrauben anprobiert werden kann.

 

Der Stirnreif könnte sich während dieses Arbeitsschrittes verzogen haben, vor allem im Bereich der Trennstelle. Er wird deshalb entsprechend der Draufsicht kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert.

 

Die restlichen Nietlöcher werden in den Stirnreif gebohrt. Die Mittelpunkte der Nietlöcher liegen alle 8mm unter der Oberkante. Jeweils ein Loch wird links und rechts von der Spangenmitte gebohrt, wobei der Abstand zur Spangenmitte 30mm beträgt. Beim Nasal, das bereits je eine Bohrung für die beiden vorderen Segmente beinhaltet entfällt dieser Schritt.

 

Die gewünschte Anzahl Nieten pro Segment wird gleichmässig auf die Abstände zwischen den Bohrungen verteilt, angezeichnet und gebohrt.

 

Alle Bohrungen werden von beiden Seiten her mit einem Senker entgratet.

 

Auf der Innenseite des Stirnreifs wird im Abstand von 16mm zur Oberkante mit Filzstift eine Linie eingezeichnet. Die Segmente werden am Stirnreif so ausgerichtet, dass ihre Unterkante entlang der Linie liegt und die Lücken zwischen den Segmenten gleich gross sind. Im Notfall ist eine gleichmässige Lücke zwischen den Segmenten wichtiger als die Lage der Unterkante. Die Segmente werden mit genügend starken Klammern oder Schraubzwingen fixiert.

 

Jeweils die beiden Löcher im Stirnreif, die den Spangen bzw. Band am nächsten liegen, werden mit Filzstift auf die Segmente übertragen.

 

Die Segmente werden entfern und die Löcher an den angezeichneten Stellen mit einem 4mm Bohrer gebohrt.

 

Die Segmente werden an den Stirnreif geschraubt (Abb.13 und 14).

 

Das Band wird auf die genaue Länge abgesägt, entgratet und an die Rundung der Segmente angepasst. Damit das Band optimal anliegt, wird es mit dem runden Hammer leicht bauchig getrieben.

 

Das Band wird zwischen die vorderen Segmente und das Nasal geschoben und ausgerichtet. Durch die Löcher des Nasals werden das Band und die Segmente gleichzeitig gebohrt (Abb.15).

 

Das Band wird entfernt und die restlichen Nietlöcher werden auf das Band angezeichnet, gebohrt und entgratet.

 

Das Band wird durch das Nasal an die Segmente geschraubt.

 

Durch die untersten beiden Löcher am hinteren Ende des Bandes werden Löcher in die hinteren Segmente gebohrt und das Band an sie angeschraubt (Abb.16).

 

Die Segmente werden ausgerichtet und mit dem Band als Bohrlehre die Nietlöcher in die Segmente gebohrt (Abb.17). Wichtig ist dabei, sich schrittweise vom Stirnreif zum Scheitelpunkt vorzuarbeiten und die Segmente an das Band zu schrauben, bevor das nächste Loch gebohrt wird.

 

Die Spangen werden auf die genaue Länge abgesägt, entgratet und an die Rundung der Segmente angepasst. Damit die Spangen optimal anliegen, werden sie mit dem runden Hammer leicht bauchig getrieben.

 

Die Nietlöcher werden auf die Spangen übertragen, gebohrt und entgratet.

 

Die Spangen werden, beginnend am Stirnreif an die Segmente geschraubt. Dazu werden die Nietlöcher wieder schrittweise in die Segmente gebohrt, wobei die Spangen als Bohrlehre dienen. Wichtig ist wieder, dass die Spangen an die Segmente geschraubt werden, bevor das nächste Loch gebohrt wird (Abb.19).

 

Die Nietlöcher für den Helmriemen werden in den Stirnreif gebohrt.

 

Am zusammen geschraubten Helm (Abb.20 und 21) werden, falls erforderlich, die letzten Anpassungen vorgenommen.

 

Der Helm wird komplett zerlegt, alle noch vorhandenen Grate und scharfe Kanten entfernt und die Nietlöcher in den Segmenten von innen angesenkt. Alle Teile werden auf das gewünschte Finish geschliffen.

 

Der Helm wird zusammengeschraubt, wobei die Schrauben nur von Hand leicht angezogen werden. Erst wenn alle Schrauben an ihrem Platz sind, werden sie fest angezogen (Abb.22).

 

Die Schrauben werden schrittweise durch Nieten ersetzt.

 

Die Helmriemen werden mit einem scharfen Messer aus 2.5mm starkem Leder geschnitten (Abb.23). An das Ende des linken Riemen wird die Schnalle (Abb.24) eingenäht (Abb.25). Mit einer Lochzange werden die passenden Löcher in den anderen Riemen gestanzt. In die vier Enden der Riemen werden die Nietlöcher gestanzt (Abb.26). Aus Abfallstücken des Blechs werden vier viereckige Unterlagscheiben ausgesägt oder mit der Blechschere geschnitten (Abb.26). Die Ecken und Kanten werden entgratet und gerundet, damit sie das Leder nicht beschädigen.

 

Die Riemen werden mit Schrauben in dem Helm fixiert und ausgerichtet. Anschliessend wird eine Schraube nach der anderen durch Niete ersetzt.

 

Abb. 3: Ausgesägte Segmente
Abb. 3: Ausgesägte Segmente
Abb. 4: Treiben der Segmente
Abb. 4: Treiben der Segmente
Abb. 5: Baumstumpf mit Vertiefungen
Abb. 5: Baumstumpf mit Vertiefungen
Abb. 6: Hilfslinien zum gleichmässigen Treiben
Abb. 6: Hilfslinien zum gleichmässigen Treiben
Abb. 7: Die vier getriebenen Segmente
Abb. 7: Die vier getriebenen Segmente
Abb. 8: Der gerundete und gebohrte Stirnreif
Abb. 8: Der gerundete und gebohrte Stirnreif
Abb. 9: Das Band und die Spangen
Abb. 9: Das Band und die Spangen
Abb. 10: Das ausgesägte und gebohrte Nasal
Abb. 10: Das ausgesägte und gebohrte Nasal
Abb. 11: Gebogenes Nasal
Abb. 11: Gebogenes Nasal
Abb. 12: Stirnreif mit Nasal geschlossen
Abb. 12: Stirnreif mit Nasal geschlossen
Abb. 13: Ansetzen der Segmente
Abb. 13: Ansetzen der Segmente
Abb. 14: Angesetzte Segmente
Abb. 14: Angesetzte Segmente
Abb. 15: Einschieben des Bandes unter das Nasal
Abb. 15: Einschieben des Bandes unter das Nasal
Abb. 16: Vorn und hinten fixiertes Band
Abb. 16: Vorn und hinten fixiertes Band
Abb. 17: Die Segmente werden an das Band geschraubt
Abb. 17: Die Segmente werden an das Band geschraubt
Abb. 18: Übergang angeschraubtes Band zu Nasal
Abb. 18: Übergang angeschraubtes Band zu Nasal
Abb. 19: Die Spangen werden an die Segmente geschraubt
Abb. 19: Die Spangen werden an die Segmente geschraubt
Abb. 20: Fertig verschraubter Helm
Abb. 20: Fertig verschraubter Helm
Abb. 21: Innenansicht
Abb. 21: Innenansicht
Abb. 22: Geschliffener Helm, fertig zum Vernieten
Abb. 22: Geschliffener Helm, fertig zum Vernieten
Abb. 23: Zugeschnittene Helmriemen
Abb. 23: Zugeschnittene Helmriemen
Abb. 24: Schnalle für Helmriemen
Abb. 24: Schnalle für Helmriemen
Abb. 25: Eingenähte Riemenschnalle
Abb. 25: Eingenähte Riemenschnalle
Abb. 26: Nietlöcher und Unterlagscheibe
Abb. 26: Nietlöcher und Unterlagscheibe
Abb. 27: Eingenietete Helmriemen
Abb. 27: Eingenietete Helmriemen
Abb. 28: Angenietetes Nasal
Abb. 28: Angenietetes Nasal
Abb. 29: Fertiger Helm von vorne …
Abb. 29: Fertiger Helm von vorne …
Abb. 30: … und von der Seite
Abb. 30: … und von der Seite